Parkidyll gegen Naturschutz:

Wieder Ärger um Linden-Verschnitt

Der Naturschutzverband BUND hatte die Fällung von 227 Linden im Rempliner Schlossgarten verhindert. Doch wie geht es weiter, wenn 93 Prozent der Bäume in schlechtem Zustand sind? Kritik kommt aus Malchin und vom Straßenbauamt.

Ohne den Schutz der Blätter ist der Blick auf die Stummel wieder vollends frei. Es wird deutlich, welcher Schaden an den 230 Rempliner Schlossparklinden entstanden ist.
Eckhard Kruse Ohne den Schutz der Blätter ist der Blick auf die Stummel wieder vollends frei. Es wird deutlich, welcher Schaden an den 230 Rempliner Schlossparklinden entstanden ist.

Rot und gelb. Das sind die beiden Farben, die im Schlosspark Remplin überwiegen. Das liegt aber nicht an den Herbstblättern der Linden. Der Landschaftsarchitekt Stefan Pulkenat hat die Farben in seinem Untersuchungsbericht zum missglückten Radikalschnitt eingezeichnet. Rot bedeutet „sehr schlecht“, gelb bedeutet „schlecht“. In diese beiden Kategorien fallen für den Fachmann 92 Prozent aller 240 Linden, denen im Dezember 2010 ein Radikalschnitt verpasst wurde. Zwei Prozent der Bäume sind sogar abgestorben. Und gerade einmal sechs Prozent der Linden erreichen die Note „befriedigend“.

Die Hoffnung, dass alle Bäume wieder ausschlagen und sich erneut hübsche Alleen bilden, ging damals nicht auf. Heute stehen etliche rund 5,50 Meter lange Stummel im Park. Nur wenige Linden sehen nach Alleebäumen aus. Und so empfahl Pulkenat im November 2012 eine Fällung von 227 Bäumen. Der Malchiner Bürgermeister Jörg Lange und der Leiter des Straßenbauamtes in Güstrow, Ronald Normann, sind ziemlich verärgert über den Naturschutzverband BUND. Der hatte im September mit einem Widerspruch und einer angedrohten Klage erreicht, dass die 227 Linden im denkmalgeschützten Schlosspark nicht gefällt und durch neue ersetzt werden.

Das wird in diesem Jahr auch nicht mehr stattfinden. Da ist sich Jörg Lange sicher. Auch der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte spricht von einem laufenden Verfahren.

Der Bürgermeister kann über diesen Baustopp nicht lachen. Er hofft zwar, dass die Linden im Frühjahr gefällt werden. Aber er befürchtet auch, dass ein langwieriges Verfahren eingeleitet werden könnte und die Linden erst im Herbst kommenden Jahres gefällt werden. Sein Ziel ist aber immer noch die Neupflanzung: Denn Remplin solle für einen vergleichsweise geringen Betrag Alleen bekommen, die mindestens die nächsten 100 Jahre stehen. „Ich habe aber langsam den Eindruck, dass die Bäume alle absterben sollen, damit der Eremit-Käfer hier ein Zuhause hat.“ Das sei aber nicht der Anspruch der Denkmalpflege.

Diese Ansicht unterstützt der Leiter des Straßenbauamtes. Er kritisiert die Naturschützer scharf: „Der BUND springt nur auf fahrende Züge auf. Sonst lässt er es laufen“, betonte er. Aber solches Arbeiten könne auch viele wichtige Vorhaben gefährden. Als Beispiel nennt er da eine Lindenallee in Bützow. Auch da habe der Verband eingeschritten. „Doch nun hat die Gemeinde kein Geld mehr für Fällungen und Neupflanzungen.“ Selbiges befürchtet er für Malchin.

Diese Aussagen empören die BUND-Alleenexpertin Katharina Brückmann. „Ich weise diese Anschuldigungen zurück.“ Denn der BUND habe nur hinter dem Rücken erfahren, dass im Rempliner Schlossgarten über 200 Bäume gefällt werden sollen. Sie habe den Landkreis gebeten, bei weiteren Parkplanungen einbezogen zu werden. Aber sie habe nicht einmal eine Antwort erhalten. So konnte der BUND nur noch die „Notbremse“ ziehen.

Die Alleenexpertin setzt jetzt darauf, dass alle Beteiligten sich im Frühjahr im Park treffen und das weitere Vorgehen beraten. „Das wird heiße Diskussionen geben.“ Aber alle sollten dabei einen kühlen Kopf behalten. Für Katharina Brückmann könnten fast alle Bäume so stehen bleiben. Denn sie seien jetzt mehr oder weniger ausgeschlagen. Damit seien die denkmalpflegerischen Vorgaben erreicht. Sprechen müssen man hingegen über die toten oder über Linden, die möglicherweise nicht mehr standsicher sind.

 

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