Auf falscher Fährte:

Doch kein Wolf in Bredenfelde

Ein Wolf bei Stavenhagen sorgte für Aufregung. Zu Recht?

Das ist nur ein Symbol-Wolf, der in keiner Beziehung zu dem steht, der eventuell nahe Stavenhagen gesichtet wurde.
Julian Stratenschulte Das ist nur ein Symbol-Wolf, der in keiner Beziehung zu dem steht, der eventuell nahe Stavenhagen gesichtet wurde.

Wie kommt eigentlich ein Wolf nach Bredenfelde? Die Antwort ist kurz und schmerzlos: wahrscheinlich gar nicht. In einer früheren Version dieses Artikels berichteten wir von einem Mädchen, das bei einem Spaziergang am Dorfrand von Bredenfelde (bei Stavenhagen) einen Wolf gesehen haben will. Als Beweis zeigte es ein Foto, das es vorgeblich vor Ort mit dem Handy aufnahm.

Wölfe gibt es in unseren Breiten schon länger, das ist nichts Neues. Daher war auch ein Wolfsbeauftragter nicht überrrascht, den wir dazu befragten. Er war sich nach Ansicht des Fotos sehr sicher, dass es sich um einen Wolf handele. Und doch ist die Sache ganz anders.

Foto ist zwei Jahre alt

Nach einigen Leserhinweisen und Nordkurier-Recherchen stellte sich aber heraus, dass das Foto keineswegs am vergangenen Sonnabend aufgenommen wurde und ganz bestimmt auch nicht in Bredenfelde. Die "Berner Zeitung", die "Süddeutsche Zeitung" und andere Medien berichteten im April 2014 von einem einsamen Wolf, der auf der Suche nach einer Partnerin durch die Schweiz streifte und über Grenze nach Bayern gewandert war. Dazu zeigt die Zeitungen ein Foto, das von einer Spaziergängerin aufgenommen wurde. Es ist genau das Foto, das nun auch das zwölfjährige Mädchen dem Nordkurier zeigte.

Der Nordkurier ist somit einer Falschmeldung aufgesessen.

Der Beitrag wurde gegen 19.15 Uhr aktualisiert.

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung

Kommentare (8)

Auch bei Begegnungen mit anderen unangeleinten Hunden die man nicht einschätzen kann gilt: Ruhig bleiben und sich normal zurückziehen. "Schnell nach Hause rennen" ist weder noch ein gutet Tipp. Wenn genug Zeit für ein Foto war wird die Begegnung auch überhaupt nicht dramatisch gewesen sein. Eher ein Beweis, dass der Wolf noch nicht mal Interesse an dem Hund zeigte weil dieser in Begleitung eines Menschen war.

Gerade haben wir in der Facebookgruppe "Schützt die Wölfe" rausgefunden, dass dieses Foto schon am 23.04.2014 in der BZ, Berner Zeitung, verwendet wurde! Unter dem Artikel "Wolf nach Deutschland abgewandert". Den genauen Link kann ich gerne auf Anfrage benennen...

Da wollte man den Ruf des Wolfes schädigen... und nun geht der Schuss nach hinten los... ein Foto, auf das vielleicht sogar jemand Rechte angemeldet hat, unerlaubt verwenden, um einem Tier zu schaden was gar nichts gemacht hat... Und nun? Den Wolf ins schlechte Licht gerückt, das Mädchen und ihre Eltern der Lüge überführt...die Leser für dumm verkauft ... und bis auf den Wolf sind alle blamiert ... Die Zeit und die Mühe die man aufgewendet hat um dem Wolf zu schaden, hätte man besser genutzt und einem Tierhalter geholfen seine Tiere einzuzäunen...

"Aber Großmutter, warum hast du falsch Foto gesendet?" Doch es war das Rotkäppchen.

Eine ganz einfache Bilder Rückwärtssuche bei Google hätte den Fake in nicht mal einer Minute aufgeklärt, schade das auch beim Nordkurier keiner mehr in der Lage ist Quellen zu prüfen.

Ich finde es richtig gut, dass beim Nordkurier auf Leserkommentare eingegangen wird. Und dass nachgeprüft und und nicht nur irgendwo im Kleingedruckten richtiggestellt wird ist leider nicht selbstverständlich.

Es gibt - auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen - in diesem Land tatsächlich noch Medien, die eine Meldung verifizieren (zu deutsch: auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüfen), bevor sie veröffentlicht wird. Dass der Nordkurier dies - wohlwollend gesagt - hier versäumt hat, ist das eigentlich Bedenkliche.

Na klar, die Angelegenheit mit dem vermeintlichen Beweisfoto, das am Ende überhaupt kein Beweisfoto war, ist ärgerlich. Richtig ärgerlich. Und eines ist gewiss: Autor und Redaktion ärgern sich wohl am meisten über diesen Fehler. Trotz mehrtägiger Recherche ist dieser Fehler passiert - doch hat diese Recherche auch gezeigt, dass es nicht ins Reich der Fabeln zu verweisen ist, dass es in unserer Region Wölfe geben beziehungsweise Wölfe durch unsere heimatlichen Wälder und über unsere Felder ziehen könnten. Die Aussagen der Experten sind richtig spannend und lesenswert. Insofern bleibt die Redaktion mit Sicherheit an dem Thema dran - die Vielzahl der Leserkommentare zeigt, wie aufregend das Thema ist.