Aufruhr in Malchiner Ortsteil:

Abrisspläne? Aber nicht mit den Remplinern!

Malchin macht sich gerade nicht viele Freunde in ihrem jüngsten Ortsteil Remplin. Die städtische Wohnungsgesellschaft will hier nämlich gleich zwei Blöcke platt machen. Und hat wohl nicht mit dem aufflammenden Widerstand gerechnet.

In Remplin formiert sich der Widerstand. Ute Tschörner startete am Wochenende eine Unterschriftensammlung gegen den Abriss der beiden Blöcke mit insgesamt 29 Wohnungen.
Torsten Bengelsdorf In Remplin formiert sich der Widerstand. Ute Tschörner startete am Wochenende eine Unterschriftensammlung gegen den Abriss der beiden Blöcke mit insgesamt 29 Wohnungen.

Sie treffen sich in diesen Tagen viel öfter als sonst vor der Haustür. Und sie haben viel zu bereden, die Mieter in der Rempliner Schlossstraße. Vor ein paar Tagen hatten sie davon gehört, dass ihre beiden Wohnblöcke abgerissen werden sollen. Seitdem ist es vorbei mit der sommerlichen Ruhe in der Schlossstraße.

„Wir sind alles alteingesessene Rempliner und fühlen uns hier sehr wohl. Warum sollten wir hier jetzt wegziehen?“, fragt zum Beispiel Doris Fuhrmann. Ihr sei vor Jahren bereits der Garten in Remplin weggenommen worden, weil an der Kirche Eigenheime gebaut werden sollten. Doch daraus sei doch bis heute nichts geworden. „Wenn mein Mann hört, dass er hier ausziehen muss, dann nimmt er sich einen Strick“, findet Hannelore Konopka drastische Worte. Tatsächlich leben die meisten Mieter schon Jahrzehnte in den etwa 35 und 50 Jahre alten Blöcken. Ute Tschörner hat nun am Wochenende damit begonnen, Unterschriften gegen den Abriss der beiden Wohnhäuser zu sammeln. Lange bitten muss sie da nicht in Remplin.

Will oder soll da keiner wohnen?

Übergeben will Ute Tschörner die Listen Malchins Bürgermeister Jörg Lange. Die Stadt ist Eigentümerin der Wohnblöcke in ihrem Ortsteil Remplin und lässt sie von der Malchiner Wohnungsgesellschaft (Wogema) verwalten. „Wir müssen hier wirtschaftliche Zwänge berücksichtigen“, meint Lange zum möglichen Abriss. Bei den Mietern sei ihm durchaus bewusst, dass es auch gewisse Härtefälle geben könnte.

Das Schicksal der Rempliner Schlossstraße dürfte sich im September in der Malchiner Stadtvertretung entscheiden. Die Abgeordneten werden wohl nicht direkt über den Abriss zu befinden haben, dafür sollen sie aber die Schlossstraße als sogenanntes Umbaugebiet widmen. Das wäre dann die Voraussetzung dafür, dass die Wogema Fördermittel für den Abriss beantragen könnte, wie Geschäftsführer Günter Busse erläutert. „Wir schreiben mit diesen beiden Blöcken tiefrote Zahlen, von 29 Wohnungen stehen 13 leer“, rechnet Busse vor.

Das bringt die Rempliner aber nur noch mehr auf die Palme. Schließlich seien doch schon seit längerer Zeit gar keine Wohnungen mehr in den beiden Blöcken vergeben worden, da könne man sich doch jetzt nicht über den Leerstand beklagen, heißt es. Dem Wogema-Chef ist es gar nicht recht, dass über einen möglichen Abriss bereits öffentlich diskutiert wird, schließlich sei doch noch nichts entschieden. Und im Malchiner Ortsteil Gorschendorf sei doch der Rückbau eines ähnlichen Blockes ohne Probleme über die Bühne gegangen. „Die Leute haben sich sogar bedankt, dass wir sie nach Malchin geholt haben“, berichtet Busse. Den Gefallen werden die Rempliner ihm wohl nicht tun.

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