Ohne Sterbeurkunde geht nichts:

Amt lässt Trauernde wochenlang warten

Wenn ein Mensch stirbt, müssen die Angehörigen trotz der Trauer vieles erledigen: die Bestattung arrangieren und viele Angelegenheiten regeln. Wenn dann noch Behörden trödeln, wird’s brenzlig. Jetzt kommt heraus, warum das oft Teterower trifft.

Eine Beerdigung lässt sich auch nur mit dem Totenschein vom Arzt organisieren, um Verträge des Verstorbenen aufzulösen, ist eine amtliche Sterbeurkunde nötig.
Simon Voigt Eine Beerdigung lässt sich auch nur mit dem Totenschein vom Arzt organisieren, um Verträge des Verstorbenen aufzulösen, ist eine amtliche Sterbeurkunde nötig.

Gut drei Wochen ist es her, dass die Schwiegermutter von Marita Lüders starb. Seit diesem Zeitpunkt wartet die Familie auf die Sterbeurkunde. Wiederholt fragte die Teterowerin im örtlichen Bestattungshaus nach. Aber dort konnte man sie nur vertrösten. Die Urkunde sei bedauerlicherweise noch nicht eingegangen, hörte sie immer wieder. Da der Sterbefall in einem Rostocker Krankenhaus eintrat, oblag die Beurkundung dem dortigen Standesamt. Das ließ sich jedoch Zeit. Viel Zeit.

Mittlerweile kann Frau Lüders diesen Langmut nicht länger tolerieren und machte am Lesertelefon des Nordkurier ihrem Ärger Luft. Zwar habe die Familie die Verstorbene bestatten können, denn dazu reichte der Totenschein. Der wurde vom Arzt ausgestellt. Bei der Regelung vieler anderer anstehender Angelegenheiten sind die Angehörigen ohne Sterbeurkunde jedoch matt gesetzt. „Egal wohin wir uns wenden – an die Versicherung, die Bank, den Telefondienstleister – alle verlangen die Urkunde. Das müssen die Sachbearbeiter doch wissen, dass ein solches Dokument dringend gebraucht wird.“ Nicht einmal den Telefonanschluss konnte sie abmelden.

3000 Sterbefälle pro Jahr

In Teterow, so hat die Betroffene in Erfahrung gebracht, dauere die Beurkundung höchstens zwei Werktage. Das bestätigt Simone Borgwardt, Inhaberin eines Bestattungshauses. „Der angesprochene Fall ist nicht der einzige. Wir warten auf mehrere Urkunden aus Rostock. Aber wir kennen das schon. Immer im Sommer tritt dieser Engpass in Rostock auf.“ Und dort werden eben auch viele Intensiv-Patienten aus der Region Teterow hinverlegt, die dann unter Umständen auch in Rostock sterben.

Eine Nachfrage im Büro des Rostocker Oberbürgermeisters bringt zuerst eine erlösende Botschaft. „Die Sterbeurkunde ist ausgefertigt und geht der Familie in Kürze zu“, informiert Sprecherin Kerstin Kanaa. Sie räumt ein, dass „die Bearbeitungsdauer im Moment durch unbesetzte Stellen und die Urlaubszeit etwas länger“ ausfalle. Das sei bedauerlich. Bei voller Personalstärke, so versichert die Rathaussprecherin, erfolge eine Beurkundung durch die Hansestadt innerhalb von maximal drei Werktagen. Übers Jahr gesehen sind in Rostock etwa 3000 Sterbefälle zu beurkunden.