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Auch Deutsche können echte Samurai sein

Furchteinflößendes Waffengeklirr ist den Samurai fremd. Ihre Kampftechnik zeichnet sich durch hohe Präzision aus, wie die Tokagawa-Gruppe in Todendorf demonstriert.

Die Schaukämpfe werden mit Holzschwertern an Stelle der scharfen Waffen geführt.
Eberhard Rogmann Die Schaukämpfe werden mit Holzschwertern an Stelle der scharfen Waffen geführt.

Der Kampfschrei kommt aus der Tiefe der Brust. Gell hallt er durch den Hain. Mit drei schnellen Schritten hat Erik Farys den Gegner erreicht und lässt sein Schwert auf ihn niedersausen. Treffer. Spornstreichs wenden sich beide Kämpfer und stehen sich erneut Aug‘ in Auge gegenüber. Das Publikum ist fasziniert. Was die Zuschauer hier erleben, ist kein mittelalterlich teutonisches Kampfgetümmel, sondern die hohe Kunst des Kendo. Dies ist die Art und Weise der Samurai im fernen Japan, das Schwert zu führen.

So ist denn auch der Ort der Performance mit Bedacht gewählt: der deutsch-japanische Hain am Schloss Mitsuko in Todendorf. Auf Einladung des Hausherrn, Professor Heinrich Johann Radeloff demonstrieren Sportler des PSV Cottbus 90 ihre Kampfkünste. Dass es sich hier um wahre Kunst handelt, erkennen die Zuschauer sehr schnell. Mehr als ein Jahr habe er sich dem Training in der Kunst, das Schwert zu ziehen, gewidmet, ehe die Bewegung dem Anspruch genügte, verrät Michael Bock. Iaido ist eine hohe Schule der Körperbeherrschung. Man genießt die Ästhetik der Bewegungen, ohne zu ahnen, welche Konzentration und Kraftanstrengung sie erfordern.

Wie kommt man dazu, als Mitteleuropäer sich diese Technik anzueignen? Michael Bock hatte einen handfesten Beweggrund. „Als ich 40 wurde, stellte ich fest, dass ich zunahm, mich träger bewegte, Fett ansetzte. Da suchte ich eine neue Herausforderung und begann Iaido.“ Acht Jahre ist er mittlerweile dabei und hat es bis zum zweiten Dan, dem Meistergrad, gebracht. Dass die Cottbusser dem Ruf nach Todendorf gerne nachkamen, ist kein Wunder. Führen sie doch den Ehrennamen Tokugawa. Diese Familie gehört zu den Shogun, die 300 Jahre in Japan herrschten. Yasuhisa Tokugawa, das heutige Familienoberhaupt, wäre als Shogun der 18. seiner Dynastie. Er ist heute Präsident der IMAF, dem ältesten japanischen Budo-Weltdachverband mit Sitz in Tokio. Der Gruppe in Cottbus gestattete er, den Namen Tokugawa zu tragen. Wie Heinrich Radeloff bekennt, entstammt seine Frau Mitsuko diesem alten Geschlecht. Sie habe den Kämpfern höchstes Lob bekundet, verrät Radeloff dem Publikum. „Schau in ihre Gesichter. Diese Deutschen sind richtige Samurai“, zitiert der Meister seine Frau.