Nach dem Geständnis:

Aufgeklickt: Teterower Räuber auf freiem Fuß

Dass ein Mann aus Malchin und sein Komplize aus der Nähe von Teterow einen brutalen Überfall auf einen Teterower Geschäft verübten, hatte schon für Entsetzen gesorgt. Dass sie nach ihrem Geständnis gleich wieder freigelassen wurden, bringt die Bürger aber regelrecht in Rage.

Viele Geschäftsleute in der Stadt sind entsetzt, dass die überführten Täter nach dem schweren Raubüberfall weiter auf freiem Fuß sind. Foto: Eberhard Rogmann
Eberhard Rogmann Viele Geschäftsleute in der Stadt sind entsetzt, dass die überführten Täter nach dem schweren Raubüberfall weiter auf freiem Fuß sind. Foto: Eberhard Rogmann

Karl Heinz Dubbert ist ein hochgewachsener Mann mit einem breiten Kreuz. Vierschrötig steht er vor der Tür des Blumengeschäftes seiner Frau in Teterow. An ihm ist kein Vorbeikommen. „Aber ich kann hier ja nicht den ganzen Tag stehen“, sagt er, während seine Frau den Schlüssel in der Ladentür umdreht. Mittagspause. Schon den ganzen Vormittag ist Gesprächsthema Nummer 1 der aufgeklärte Raubüberfall vom 4. Juni.

„Dass sie die Burschen geschnappt haben, ist ja zu begrüßen. Aber dass die gleich wieder auf freiem Fuß sind- wer soll das verstehen?“, fragt Astrid Dubbert und auch ihr Mann schüttelt den Kopf. Entsetzt ist auch die Teterowerin Hannelore Langhof. „Was muss denn noch passieren, damit solche Ganoven hinter Gitter kommen“, fragt sie. „Für hundert Euro einen Menschen so brutal zu schlagen, was sind das nur für Leute?“ Und wenn nur zehn oder zwanzig Euro in der Kasse gewesen wären, hätten die Männer wahrscheinlich nicht weniger gewalttätig zugeschlagen, meint sie. Ihr Glaube an den Rechtsstaat sei ziemlich erschüttert.

Das geht Dagmar Krause nicht anders. „Es sind nicht die hundert Euro, sondern die Brutalität, mit der die Täter zu Werke gingen, die erschreckt. Für einen Griff in die Kasse muss man einen anderen doch nicht so zurichten. Da scheint es gar keine Hemmschwelle mehr zu geben.“ Nach ihrer Meinung ist die Milde der Justiz angesichts solcher Taten fehl am Platz. Selbst Polizeibeamte seinen oft völlig frustiert, wenn sie Tatverdächtige nach einer Vernehmung laufen lassen müssen, weiß die Mutter eines Polizisten. „Die haben manchmal schlimme Dinge auf dem Kerbholz und gehen lachend aus dem Revier“, zitiert sie ihren Sohn.

Solche Reaktionen sind Holger Schütt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock nicht unbekannt. Dennoch bleibt er bei der Feststellung, dass aus gesetzlicher Sicht keine hinreichenden Gründe vorliegen, um die Täter in Haft zu nehmen. „Für den Bürger zählt die Schwere der Tat als entscheidendes Kriterium. Juristisch ist das zu erwartende Strafmaß allein nicht maßgeblich.“

Nach Lage der Dinge seien aber beide Täter geständig, somit bestehe keine Verdunklungsgefahr. Ebenso wenig könne Fluchtgefahr unterstellt werden. Beides wären Haftgründe. Auch für eine Wiederholungsgefahr gebe es keine Anhaltspunkte. „Einer der beiden hatte zwar eine Vorstrafe, aber die war nur geringfügig und für den aktuellen Fall ohne Belang“, merkt Staatsanwalt Schütt an. Jeder Richter hätte angesichts dieser Umstände einer Haftbeschwerde stattgegeben, ist er überzeugt.

Dennoch wertet Schütt das Verbrechen als schweren Raub. Das Opfer habe erhebliche Verletzungen davongetragen, Spätfolgen seinen nicht auszuschließen. Das Gesetz legt dafür – zumindest für den älteren der beiden 17 und 26 Jahre alten Täter – eine Mindeststrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug fest.

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