Notfall an der Bauampel:

Baby in Not - und die Autofahrer schauen weg

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte eine Neukalenerin, als ihre zehn Monate alte Enkelin plötzlich einen Fieberkrampf bekam. In einer Autokolonne an der Neukalener Baustellen-Ampel wollte scheinbar niemand helfen. Zum Glück gibt es aber noch andere Menschen.

Potenzielle Helfer gab es genug an der Bauampel in Neukalen, doch zwei Frauen und ein zehn Monate altes Kleinkind konnten in höchster Not nur auf professionelle Retter zählen.
NK-Bildmontage mit Fotos: Simon Voigt und epa efe Morell Potenzielle Helfer gab es genug an der Bauampel in Neukalen, doch zwei Frauen und ein zehn Monate altes Kleinkind konnten in höchster Not nur auf professionelle Retter zählen.

Noch immer kommen Maria Schad die Tränen, wenn sie von jenem Nachmittag erzählt. Dem Nachmittag, an dem für die Neukalenerin unbeschreibliche Angst und Entsetzen, aber auch unendliche Dankbarkeit so dicht beieinander lagen. Was war passiert?

Maria Schad war mit ihrer Tochter und ihrer gerade einmal zehn Monate alten Enkelin mit dem Auto auf dem Heimweg. Am Ortseingang von Neukalen aus Richtung Gnoien kommend mussten sie an der Baustellen-Ampel warten. „Ich hatte das Kind auf dem Arm. Plötzlich merkte ich, wie die kleine Mia mich anstarrte, die Atmung wurde immer flacher und war dann kaum noch wahrzunehmen“, berichtet Maria Schad. Dabei war das Kind den ganzen Tag über doch noch heiter und aufmerksam. Voller Angst sprangen Mutter und Tochter aus dem Auto. Das Kind im Arm schauten sie sich nach Hilfe um. „Das lief ab wie in einem Film. Wir dachten, dass vielleicht ein Arzt in einem der Autos saß, die hinter uns an der Ampel warteten.“ Und es waren viele Autos, die hier standen. Vielleicht zwischen 15 und 20, schätzt Frau Schad.

Und dann das Erschreckende: Niemand war bereit, den beiden Frauen und der kleinen Mia zu helfen. „Dieses Wegschauen war für mich das Schlimmste.“ Als die Ampel auf Grün schaltete, stiegen sie schnell wieder ins Auto ein. „Da hatte meine Tochter sogar noch Mühe, sich in den Fahrfluss einzureihen. Niemand nahm Rücksicht“, kann es Maria Schad immer noch nicht fassen.

Einfühlsame Mitarbeiterin der Rettungsleitstelle

Noch an der Ampel hatte die Tochter den Notruf 112 gewählt. Und erlebte hier die nächste Überraschung. Diesmal aber eine sehr erfreuliche. Als sie die Stimme am Telefon hörte, habe sie nur noch unendliche Dankbarkeit empfunden. Die Mitarbeiterin der Rettungsleitstelle habe mit ihrer Kompetenz und großer Einfühlsamkeit ihre Tochter am Telefon betreut, bis der Notarzt mit seinem Team vor Ort eintraf. „Zum Glück war es auch noch ein Kinderarzt, der ebenfalls liebevoll, ruhig und kompetent unsere kleine Maus stabilisierte“, erzählt Maria Schad.  Bald schon konnten Kind und Mutter im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Beide wurden der Obhut der Kindernotaufnahme des Neubrandenburger Klinikums übergeben.

Wie sich herausstellte, hatte die kleine Mia einen Fieberkrampf bekommen, der sich ohne Vorwarnung sehr schnell aufgebaut hatte. In der Klinik wurde noch dem Verdacht einer Hirnhaut-Entzündung nachgegangen. Doch der bestätigte sich glücklicherweise nicht.

„Es ist mir ein Bedürfnis, allen mit dem Notfall befassten Damen und Herren, dem Notfallarzt, der Stations- und Oberärztin, der Dame – ich nenne sie jetzt 112 – auch im Namen meiner Tochter von ganzem Herzen Danke zu sagen“,  so Maria Schad. „Diese wunderbaren Menschen retten nicht nur täglich Leben, sie haben noch den Nerv, in schwierigsten Situationen den Angehörigen Mut zuzusprechen, sie zu beruhigen.“

Doch auch das Bild von den wartenden Autofahrern, die sich zu keiner Hilfe veranlasst sahen, wird die Neukalenerin nicht mehr los. Wie nah doch Angst und Enttäuschung und eine tiefe Dankbarkeit beieinander liegen können.