Barrierefrei mit Verspätung:

Bahn bringt endlich neue Züge aufs Gleis

Versprochen hat die Bahn komfortablere und behindertengerechte Wagen schon lange, doch wer im Rollstuhl sitzt, muss in der Mecklenburgischen Schweiz immer noch mindestens fünf Tage im Voraus Hilfe anfordern, um in den Zug zu gelangen. Jetzt gibt es ein neues „Voraussichtlich“.

Neue Dieseltriebwagen der Baureihe 648, wie sie in diesem Bild bereits im Fränkischen rollen, sollten eigentlich schon seit April auch zwischen Teterow und Stavenhagen halten.
Uwe Miethe Neue Dieseltriebwagen der Baureihe 648, wie sie in diesem Bild bereits im Fränkischen rollen, sollten eigentlich schon seit April auch zwischen Teterow und Stavenhagen halten.

Es war wohl hoffentlich kein Aprilscherz, was die Bahn vor einigen Monaten versprochen haben soll: Nämlich endlich rollstuhlgerechte Züge auf der Linie durch die Mecklenburgische Schweiz einzusetzen. „Ab April sollten eigentlich Wagen mit einem geebneten Einstieg hier anrollen, habe ich gehört. Es halten aber immer noch die alten Züge mit den Treppeneinstiegen“, beklagt nicht nur der Teterower Herbert Sudrow am Lesertelefon des Nordkurier.

Derzeit müssen Rollstuhlfahrer noch ganz genau wissen, wann sie verreisen möchten. Und zwar am besten mindestens fünf Tage (!) im Voraus. Denn nur dann kann gewährleistet werden, dass ein Bahn-Mitarbeiter pünktlich an Ort und Stelle ist, um den „mobilitätseingeschränkten Reisenden“, wie es auf gut amtsdeutsch heißt, in einem speziellen Wagen über die Schwelle zu hieven. Die Hotline, um diese Hilfe anzufordern, findet der Reisende im Internet, in den Zügen oder am Bahnhof. Oder der Rollstuhlfahrer muss von einer Station aus einsteigen, wo dieser „kostenlose Service“ rund um die Uhr angeboten wird.

Dieser „Service“ klappt allerdings nicht immer, wie ein Beispiel aus Neubrandenburg zeigt. Dort nämlich sei das entsprechende Personal nur bis 22.40 Uhr vor Ort, hieß es in einem Fall. Der Zug, an den die betroffene Familie terminlich gebunden war, fuhr aber sieben Minuten später. An die Servicezeiten müssten sich auch Rollstuhlfahrer halten, hatte es nur lapidar geheißen. Der Teterower Herbert Sudrow fragt nun mit einer Prise Galgenhumor, welcher April welchen Jahres denn mit dem Einsatz behindertengerechter Wagen gemeint gewesen sei. Tatsächlich sollen sie nun ab August auch in Teterow, Malchin und Stavenhagen halten. Dies sagte auf Nordkurier-Nachfrage Bahnsprecher Holger Auferkamp. „Voraussichtlich“, betonte er dazu.

Der Grund für die Verspätung? Bei der Auslieferung der neuen Triebwagen sei es zu Verzögerungen gekommen, so Auferkamp. Bestellt worden seien die neuen Wagen aber bereits im September 2014, nachdem die Bahn die Linie zwischen Bützow und Pasewalk von der beliebten OLA (Ostseelandverkehr) übernommen hatte. „Wir haben jetzt Druck gemacht, und laut Lieferplan der beauftragten Firma sollen die neuen Wagen bald zur Verfügung stehen“, sagte Auferkamp, nicht ohne im Namen der Bahn um Verständnis für die „vorübergehenden Beeinträchtigungen“  zu bitten.

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!