Geschichte:

Bleibt Darguns „weißes Gold“ für immer verschollen?

Vor etwa 250 Jahren entstand in der Stadt am Klostersee eine Keramikmanufaktur. Doch niemand weiß, wo die kunstvollen Arbeiten von damals geblieben sind. Mehrere Hundert Gegenstände sind damals gebrannt worden.

Keine Spur von der Werkstatt in der Neubauter Straße: Dort siedelten sich im 17. und 18. Jahrhundert die Handwerker und Händler an.
Keine Spur von der Werkstatt in der Neubauter Straße: Dort siedelten sich im 17. und 18. Jahrhundert die Handwerker und Händler an.

Das hätte den Bauarbeitern gerade noch gefehlt: „Irgendwelche alte Scherben“ in der Neubauter Straße in Dargun. Dies hieße Baustopp. Doch dann sind die Mitarbeiter der Firma Lilie froh, „ungestört“ arbeiten zu können. So bleibt der Standort der ehemaligen Keramikwerkstatt weiter unklar. Eine solche Fayence-Manufaktur hatte der Töpfer Johann Christoph Kaufmann gegründet und dazu im Jahr 1759 vom Herzog Friedrich d. Frommen ein „Privilegium exclusivum“ erhalten. Danach verlieren sich die Spuren des „weißen Goldes“ von Dargun.

Bislang sind in der Fachwelt keine Fayencen vom Klostersee bekannt. Belegt ist: Kaufmann beschäftigte mit seinem Teilhaber Georg Heinrich Gießler einen Modelleur und einen unbekannten Bildhauer. Er habe zwei Muffelöfen, einen geschickten „Miniatur-Mahler“ und fertige eine Fayence, die dem „Französischem Strasburgischen so mit echt Ehmaille bemahlet“ gleich sei, berichtete Kaufmann einst.

Kaumann und Gießler stritten nach zehn Monaten Zusammenarbeit. Es ging um Geld. Gießler notierte, dass er nach vier Monaten Vorarbeiten sechs Monate auf der Scheibe gedreht und die „Formarbeit zum Possieren und zu gießen“ gemacht habe. Der Mann erstellte ein Verzeichnis der Keramiken, die bis Juni 1759 hergestellt wurden: mehrere Hundert Tee-, Kaffee- und Milchkannen, Kaffeetassen und Untertassen, Teller und Zuckerdosen. Dazu „feine“ und „geformte“ Butterdosen, eine Butterdose mit einem Jagdhund, Tabakstöpfe, Waschbecken und Figurenleuchter. Das alles im Wert von 83 Reichstalern.

Im Streit verließ Gießler schließlich Dargun. Wie Kaufmann das Privileg nutzte, ist unklar. Doch vielleicht schlummern in manch Buffetschrank oder Vertico unentdeckt die barocken Keramiken jener Jahre, als ein Darguner Töpfer es dem „weißen Gold“ von Meißen nachmachen wollte. 

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