Hotel-Baustelle als Trausaal:

Darf man hier wirklich heiraten?

Hochzeit in Gnoien. Doch diesmal fand die Trauung nicht im altehrwürdigen Rathaussaal statt, sondern ausgerechnet in einem Foyer einer Baustelle des Bürgermeisters. Das wirft die Frage auf: Darf man sich jetzt etwa schon überall das Ja-Wort geben?

Das alte „Deutsche Haus“ in Gnoien hat ein neues Foyer bekommen. Gastronom und Bürgermeister Lars Schwarz empfängt hier jetzt auch Hochzeitsgesellschaften – zur Trauung.
Torsten Bengelsdorf Das alte „Deutsche Haus“ in Gnoien hat ein neues Foyer bekommen. Gastronom und Bürgermeister Lars Schwarz empfängt hier jetzt auch Hochzeitsgesellschaften – zur Trauung.

Es ist noch immer Baustelle. Doch wen stört das schon. Zweimal haben die Gnoiener im legendären „Deutschen Haus“ schon wieder Silvester gefeiert. Notfalls geht das auch als „Baustellen-Party“. Doch nun versammelte sich hier erstmals auch eine große Hochzeitsgesellschaft. Über 100 Leute sollen dabei gewesen sein. Auch noch nicht ungewöhnlich. Schließlich sind im Saal des „Deutschen Hauses“ in Gnoien zu DDR-Zeiten noch ganz andere Feiern über die Bühne gegangen. Eine Trauung war wohl aber noch nicht dabei. Bis jetzt.

Dass sich ein Hochzeitspaar in Gnoien nicht mehr im würdevollen Rathaussaal das Ja-Wort gibt, sondern ein paar Hundert Meter weiter in einem künftigen Hotel hat in der Warbelstadt  aufhorchen lassen. Zumal das „Deutsche Haus“ nicht irgendjemandem gehört, sondern ausgerechnet Gnoiens Bürgermeister Lars Schwarz (CDU). Darf der denn das – mit der Trauung einfach aus dem Rathaus aus- und in sein eigenes Anwesen einziehen?

Antrag bereits vor zwei Jahren

So einfach ist das nämlich gar nicht. Standesämter dürfen zwar Außenstellen einrichten, die das Heiraten zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Allerdings müssen diese Räumlichkeiten speziell für diesen Zweck gewidmet werden, so die Vorschrift. Das Schweriner Innenministerium verfügt dazu über eine genaue Aufstellung mit allen Außenstellen, in denen sich Heiratswillige das Ja-Wort geben können. Für Gnoien ist da lediglich das Schloss Lühburg und das Herrenhaus in Viecheln eingetragen.

Muss nun die erste im „Deutschen Haus“ von Gnoien geschlossene Ehe gleich wieder annulliert werden? Nein, nein, sagt Bürgermeister Schwarz. Amtsvorsteher Wilhelm Winkler habe das „Deutsche Haus“, das künftig „Mecklenburger Hof“ heißen soll, kurz zuvor zur Außenstelle des Standesamtes gewidmet. Dazu sei mit ihm auch eine Vereinbarung geschlossen worden, so Schwarz. Den Antrag dafür habe er bereits vor zwei Jahren gestellt. Geheiratet werden dürfe nicht nur im Foyer seines künftigen Hotels, sondern auch noch gleich im Garten.