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DDR-Fliesen unterm Boschhammer

VonEberhard RogmannFür eines der ältesten Geschäftshäuser der Stadt schien die Zeit still zu stehen. Jetzt entschloss der Eigentümer sich zur ...

Älter als 200 Jahre ist das Geschäftshaus Malchiner Straße 28. Hier führte Wilhelm Dettmann seit 1952 ein Geschäft für Haushaltswaren und Küchengeräte. Jetzt wird die Fassade nach altem Vorbild neu gestaltet.  FOTO: Eberhard Rogmann

VonEberhard Rogmann

Für eines der ältesten Geschäftshäuser der Stadt schien die Zeit still zu stehen. Jetzt entschloss der Eigentümer sich zur Sanierung.

Teterow.An warmen Tagen sitzt Wilhelm Dettmann gern im Schatten vor seinem Geschäft und verfolgt das Treiben auf der Malchiner Straße. Darauf wird der 83-Jährige in den kommenden Wochen verzichten müssen. Bauleute haben das Haus vor dem Malchiner Tor eingerüstet und dort das Regiment übernommen. Staub und Lärm haben den Eigentümer veranlasst, sich in sein Büro zurückzuziehen. Das Treiben auf den Baugerüsten sieht der Seniorchef mit gemischten Gefühlen. „Wir haben den Laden nach der Wende modernisiert. Da kannst du die Fassade ja nicht im Charme der DDR belassen. Hier ist immer nur geflickt worden. Nun ist es an der Zeit, dem Haus ein neues Gesicht zu verpassen.“ Das neue Gesicht orientiert sich allerdings am einstigen Original. So beabsichtigt es der Architekt Günther Maaß. Die Fassaden werden nicht einfach von den Fliesen aus DDR-Zeiten befreit. Vielmehr erhalten Schaufenster und Türen wieder ihren alten Zuschnitt. Außerdem wird wieder ein besonderer Stuck die Fassade zieren. Als das Haus Ende des 18. Jahrhundert von dem Kaufmann Buick errichtet wurde, lag der Brand, der 1793 große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte, erst wenige Jahre zurück. Das Haus an der Ecke zum Südring war eines der ersten mit Steinen gebauten. Zuvor fand hauptsächlich Lehm als billiges Material Verwendung. Wer bei dem Namen Buick an die amerikanische Automarke denkt, liegt übrigens nicht falsch. Der Teterower Kaufmann und der Automobilbauer in den USA waren Brüder, wie Wilhelm Dettmann weiß. Er hat das Haushaltswarengeschäft von Frau Buick 1952 gepachtet und später das Haus gekauft. Das mit einer schweren Hypothek belastet war, was ihm später Sorgen bereiten sollte. Die sozialistische Ära überstand Wilhelm Dettmann als privater Geschäftsmann. Sein Geschäft gehörte bei der Kundschaft zu den ersten Adressen in der Stadt. Ob jemand eine Kanne aus Jenaer Glas brauchte oder einen Waschautomaten, man kam zu Dettmann. Da war er froh, dass er den angrenzenden Speicher im Südring erwerben konnte. Den brauchte er damals dringend als Warenlager. Jetzt allerdings birgt er eine Gefahr. „Als das Nebenhaus abgerissen wurde, mussten wir die Front mit Asbest verkleiden. Was anderes war nicht zu bekommen. Heute gilt das Zeug als Sonderabfall“, erklärt der Senior. Der Asbest werde im Rahmen der anstehenden Sanierung auch nicht angefasst. Fachleute hätten ihm gesagt, besser gar nicht daran zu rühren. Durch die Witterungseinflüsse über Jahrzehnte sei das Material versiegelt und in diesem Zustand gehe davon kaum Gefahr aus. So sehr die Sanierung des Hauses ihn auch freut, so kritisch bewertet der alte Kaufmann, der das Geschäft längst seinem Sohn übertragen hat, die geschäftliche Perspektive. Der Einzelhandel in der Innenstadt büße immer mehr Kundschaft ein gegenüber den Großmärkten. Dagegenzuhalten werde immer schwieriger.

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