Ordnungsdienst mit Waffenschein:

Der Amtsflinte ist noch keine Bestie entkommen

Zu DDR-Zeiten war das Teterower Rathaus eine Festung, als hier die Polizei das Arsenal der Kampfgruppen hütete. Was kaum jemand weiß: Es gibt hier auch heute noch ein Gewehr.

Ungewöhnlich für ein Gewehr erscheint das Manometer. Es dient dazu, den Druck des Treibmittels präzise einzustellen.
Eberhard Rogmann Ungewöhnlich für ein Gewehr erscheint das Manometer. Es dient dazu, den Druck des Treibmittels präzise einzustellen.

Auf ihren Patrouillen im Stadtgebiet sind die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes in der Regel unbewaffnet unterwegs. Das heiß aber nicht, dass sie über keine Waffe verfügen. Die steht allerdings die meiste Zeit des Jahres im Waffenschrank des Teterower Rathauses. „Es handelt sich um ein Narkosegewehr“, verrät Stephan Richter, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. „Wir haben es im Jahr 2000 angeschafft. Damals gab es viel Wirbel um sogenannte gefährliche Hunde. Mit dieser Waffe haben wir uns für den Fall gerüstet, dass wir ein solches Tier aus dem Verkehr ziehen müssen.“

Diese Vorsorge sollte sich auszahlen. Denn hin und wieder muss ein Ordnungshüter zur Waffe greifen. So etwa, als mal ein Furcht einflößender Hund, der unter die Kategorie der gefährlichen Rassen fiel, morgens um vier Uhr in der Poggestraße herrenlos umher lief. Mit einem gezielten Schuss wurde er in Tiefschlaf versetzt und dingfest gemacht. Das sollte kein Einzelfall bleiben. Lutz Brückner erinnert sich an einen Einsatz in Walkendorf. „Dort hatte jemand einen Hund eingefangen und musste feststellen, dass dieser niemanden an sich heranließ. Als die Leute nicht weiter wussten, bat man uns um Hilfe“, berichtet er. Auch in diesem Fall konnte er das Problem lösen. „Etwas Herzklopfen hat man schon, wenn man so einem wütenden Kläffer gegenübersteht. Besonders wenn es sich, wie in diesem Fall, um ein größeres Exemplar handelt. Da hilft nur, tief durchzuatmen und die Ruhe zu bewahren.“

Die Schützen müssen auch mal üben

Brückner hat gemeinsam mit einem Kollegen eigens einen Waffenschein erworben. Geschult wurden die Männer auch veterinärrechtlich. Immerhin kommt es darauf an, für jedes Tier ein geeignetes Betäubungsmittel auszuwählen und dieses entsprechend zu dosieren. Dabei spielen die Art, das Alter und die Größe eine Rolle. Offenbar haben die Männer ihre Hausaufgaben korrekt erledigt. „In allen Fällen blieben die Tiere unverletzt und es waren keine Nebenwirkungen zu verzeichnen“, bescheinigt Amtsleiter Stephan Richter den Schützen. Die im Übrigen regelmäßig mit der Waffe trainieren. „Wir nehmen das Gewehr ja nicht jede Woche zur Hand. Wir müssen auch mal ohne direkten Anlass schießen, einfach um die nötigen Handgriffe einzuüben“, sagt Lutz Brückner.

Aufbewahrt wird die Waffe in einem speziellen Stahlschrank in einem alarmgesicherten Raum. Und selbstverständlich getrennt von der Munition. „Wir bieten im Haus ja die präventive Beratung der Kripo an. Da konnten wir die Kollegen in eigener Sache konsultieren und sind somit auf der sicheren Seite“, verweist der Amtsleiter auf die Kooperation mit der Polizei.