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Die Ex bedroht und Haare abgeschnitten

Bei einem heftigen Streit soll ein 38-Jähriger eine Schere gezückt und mit den Haaren seiner Ex-Freundin kurzen Prozess gemacht haben. Nun saß der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Wem die Haare der Ex gehören, war dem Täter offenbar nicht ganz klar. Dem Richter schon.
© Alexander Raths - Fotolia.com Wem die Haare der Ex gehören, war dem Täter offenbar nicht ganz klar. Dem Richter schon.

Ja was denn nun? Messer, Schere oder sogar beides? In jedem Fall muss es hoch hergegangen sein, als sich er, sie und ihr Neuer wiedersahen. Dabei sollte es doch – ganz friedlich – um das gehen, was aus der früheren Beziehung entsprang. Für Heiko G.* waren das allerdings nicht nur die gemeinsamen Kinder, sondern auch die Frisur seiner einst Angebeteten. Was genau geschehen ist, soll nun das Demminer Amtsgericht herausfinden.

Doch der Reihe nach: Der alleinerziehende Vater wollte doch nur, dass die Mutter ihre Kinder sehen kann, so seine Aussage. Das Ex-Paar war an jenem Juni-Tag dieses Jahres erst wenige Tage getrennt. In der Wohnung einer gemeinsamen Bekannten in Neukalen kamen die beiden wieder zusammen, doch die Situation eskalierte wohl. Heiko G. soll den neuen Freund seiner Ex mit einem Messer bedroht haben. „Ich war so wütend“, sagt der Angeklagte. Weil die Frau ihre eine Tochter aggressiv weggeschubst und nur Augen fürs einjährige Kind gehabt habe, seien bei ihm die Sicherungen durchgegangen.

Schneidig: Das Werkzeug in der Hosentasche

Doch das Messer, das er zwischenzeitlich gezückt hatte, sei ja nie zum Einsatz gekommen. Eines aber räumt er ein: „Ich habe eine Schere aus der Hosentasche geholt und ihr die Haare abgeschnitten“, erzählt der 38-Jährige. Schließlich habe er ihre Haare immer gepflegt und gefärbt. „Sie hat mich provoziert, mir eine Locke hingehalten“, fügt er an.

Dass er den Freund abstechen wollte, stimme indes nicht. Das Klappmesser habe er ihm entgegengehalten, ja. Aber auf den Bauch zugestochen, habe er nicht. Der Zeuge will es anders erlebt haben. „Er kam mit dem Messer auf mich zu und hat geschrien: ‚Ich stech‘ dich ab ‘“, erzählt der 30-Jährige dem Richter.

Beziehungsstreit und der entscheidende Schnitt

Die 28-jährige Ex des Angeklagten berichtet von einem lauten Streit. Weil sie vor ihm abgehauen sei, habe er die Schere genommen und mit einem Schnitt die langen Haare gekürzt. „Er hat gesagt, es sind seine Haare“, erklärt sie. „Er hat mir das Kind aus der Hand gerissen und mich an die Kehle genommen.“ Geschockt habe sie nur noch geschrien.

An Details kann sich aber auch eine Sozialpädagogin nicht erinnern, die als Betreuerin bei dem Treffen in der Neukalener Wohnung anwesend war. Während der Streit eskalierte, habe sie ihren Kollegen von der Familienhilfe angerufen, weil sie die Kinder aus der Situation herausholen wollte. Dann habe sie vor allem versucht, die Kinder zu beruhigen.

Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafe

Allerdings, so berichtet die Dame vom Amt, könne sie sich erinnern, dass der Angeklagte zu ihnen in die Küche gekommen sei und Haare in der Hand hatte. „Sind Sie da gar nicht auf die Idee gekommen, die Polizei zu rufen?“, fragt Richter Jörg Langhof. Nein, das war sie nicht.

Heiko G. ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung und Beleidigung. Für den Staatsanwalt steht der Vorwurf einer gefährlichen Körperverletzung gegen den 38-Jährigen fest. Aus Wut habe er seiner Ex-Freundin die langen Haare abgeschnitten. Was das Messer betreffe, lasse sich „nur“ eine versuchte Bedrohung nachweisen. Einen minderschweren Fall sehe er jedoch nicht, auch wenn die familiäre Situation sehr angespannt war. Deshalb beantragt er eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten auf drei Jahre Bewährung.

Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist rechtskräftig.

(*Name geändert)