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Ein Haus voller Geschichte und Geschichten

VonIris DiessnerAm Bornbruch 16 ist in Gielow eine Adresse mit Handelstradition. Heute gibt es hier den Landmarkt.Gielow.„Ich knote das mal noch zusammen, ...

Karin Schmidt kommt gern zum Einkauf zu Janett Funke und Birgit Trebbin (von links). [KT_CREDIT] FOTO: Irs Diessner

VonIris Diessner

Am Bornbruch 16 ist in Gielow eine Adresse mit Handelstradition. Heute gibt es hier den Landmarkt.

Gielow.„Ich knote das mal noch zusammen, damit es nicht auseinanderfällt.“ Janett Funke trägt ihrer Kundin das Eingekaufte zum Rollator vor die Ladentür. Sie ist Chefin im Landmarkt von Gielow, den sie 2008 übernommen hat. „Ich habe aber schon ein paar Jahre zuvor hier gearbeitet“, erzählt die 50-Jährige.
Als dann die Frage stand, ob sie die Verkaufsstelle übernehmen wolle, habe sie sich natürlich erst mal mit der Familie beraten. „Ich wollte den Laden für die Omis im Dorf erhalten“, fügt sie hinzu. Sie verrät, dass Verkäuferin mal ihr Traumberuf in Kindheitstagen war. Aber wie es so kommt, sie erlernte erst den Beruf einer BMSR-Technikerin. Erst nach der Wende wurde sie Verkäuferin. „Und hier in Gielow macht es besonders viel Spaß“, meint sie. Zusammen mit ihrer Schwester Birgit Trebbin kümmert sie sich um die Kundschaft. „Wir sind so etwas wie eine große Familie hier“, erzählt die Chefin. Da gebe es auch schon mal eine Umarmung zur Begrüßung.
Natürlich wird in dem Geschäft, in dem es neben den Waren für den täglichen Bedarf auch eine Frischetheke für Wurst und Käse sowie die Annahme für die Reinigung gibt, ebenfalls so manche Neuigkeit ausgetauscht. Oder von früher erzählt.
Denn das Gielower Haus am Bornbruch 16 war einst über die Grenzen des Dorfes bekannt. Einige Gielower berichten, wie sie dort ihre erste Schrankwand kauften und noch Ältere wissen vielleicht, dass manch gutes Stück der Aussteuer von hier stammte.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete Albert Merten hier ein Kaufhaus. „Das steht übrigens auf eichernen Pfählen“, weiß Bruno Flotow aus Gielow zu berichten. Merten sei ein gelernter Schneider aus Demmin gewesen. Hier verkaufte er dann Manufakturwaren, Hochzeitsausstattungen und auch Arbeitsbekleidung. Schnell wurde das Kaufhaus bekannt. Bruno Flotow erzählt, dass Albert Merten sogar eine Bank im Haus eröffnet hatte. Ein sehr umtriebiger Geschäftsmann also. Die Tochter führte später mit ihrem Mann das Geschäft weiter. Herr Macio, der Schwiegersohn, sollte sich ebenfalls als ein guter Geschäftsmann erweisen. Nach dem Krieg, als das Kaufhaus nach der Verstaatlichung zum Konsum gehörte, wurde er Verkaufsstellenleiter. Neben Bekleidung und Wäsche gehörten dann noch Möbel zum Sortiment. Zu erzählen, wie Herr Macio manches auch „außer der Reihe“ beschaffte, sei dann schon eine ganz neue Geschichte, sagt Bruno Flotow. Janett Funke hört solche Erzählungen gern, zeigen sie ihr doch, dass ihr Geschäft ganz einfach zu Gielow gehört.

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i.diessner@nordkurier.de