Berührende Geschichten:

Ein Malchiner erforscht Fünfeichen-Schicksale

Warum will jemand herausfinden, welche Frauen und Männer aus seiner Heimatstadt vor mehr als 60 Jahren in einem Internierungslager des  sowjetischen Geheimdienstes waren? Manfred Dahms beschäftigt sich dabei mit Fragen von Schuld und Mitläufertum.

Das gestützte Kreuz steht in Fünfeichen bei Neubrandenburg und erinnert an die Opfer des NKWD-Lagers. Es ist gleichzeitig Symbol für die Arbeitsgemeinschaft „Fünfeichen“.
Heiko Brosin Das gestützte Kreuz steht in Fünfeichen bei Neubrandenburg und erinnert an die Opfer des NKWD-Lagers. Es ist gleichzeitig Symbol für die Arbeitsgemeinschaft „Fünfeichen“.

Fünfeichen bei Neubrandenburg hat eine besondere Bedeutung für Manfred Dahms. Der Malchiner weiß, dass sein Großvater, der Malermeister Wilhelm Dahms, gleich nach dem Krieg dort interniert war. In Fünfeichen hatte der sowjetische Geheimdienst NKWD von 1945 bis 1948 ein Internierungslager errichtet.

Wann es ganz genau war, dass er zum ersten Mal erfahren hat, dass sein Großvater in Fünfeichen interniert war, das weiß Manfred Dahms nicht mehr. Er versucht sich zu erinnern. „Ich wusste es als Jugendlicher“, sagt er. Aber der Großvater habe nicht mit ihm darüber gesprochen. Aber wohl mit meinen Eltern“, weiß er.

1973 ist der Großvater gestorben. Das Thema Fünfeichen sei erst wieder 1990 für ihn wichtig geworden, meint Manfred Dahms. Damals wurde ein jahrzehntelanges Tabu gebrochen und erstmals über das Internierungslager öffentlich gesprochen. „Da habe ich mich mit meinen Eltern und Geschwistern ausgetauscht und die weiteren Veröffentlichungen mit Interesse verfolgt“, erzählt der Malchiner. Als die Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen dann aufgerufen hatte, dass sich ehemals Internierte oder deren Angehörige melden sollten, hätten sie dies getan und Kontakt aufgenommen. Auf diese Weise kam Dahms auch zu einer Liste mit 48 Namen. „Das sollen alles Malchiner sein.“ So sei es ihm jedenfalls gesagt worden. „Einige Namen kamen mir auch bekannt vor, andere eher nicht“, sagt Dahms. Wahrscheinlich wurde da schon der Wunsch wach, etwas über diese Leute in Erfahrung zu bringen. Wer waren sie? Weshalb kamen sie nach Fünfeichen?

„Und so bin ich zu den Leuten gegangen, deren Namen mir auf der Liste bekannt waren“, erzählt der Malchiner. Wenn die ehemals Internierten selbst nicht mehr lebten, sei er auch mit den Hinterbliebenen ins Gespräch gekommen. Berührende Geschichten habe er da erfahren. Etwa solche, wie die Angehörigen versuchten, Kontakt mit den Internierten zu bekommen.

Dahms hat sich vorgenommen, seine Forschungen öffentlich zu machen. Zunächst beim Malchiner Heimatverein.

 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung