Das originellste Domizil in Malchin wird nun fertig:

Ein Traum wird wahr: Wohnen im Wasserturm

Sieben Jahre, nachdem Nils Holger Thiel das Denkmal erworben hat, kann nun bald der Möbelwagen kommen. Sieben Etagen kann sich der Hausherr einrichten. Da bekommt sogar der Kanarienvogel eine ab.

Nils Holger Thiel in seiner Holzwerkstatt am Bahnhof. Hier sind viele Teile der Wasserturm-Innenausstattung entstanden.
Torsten Bengelsdorf Nils Holger Thiel in seiner Holzwerkstatt am Bahnhof. Hier sind viele Teile der Wasserturm-Innenausstattung entstanden.

Nein, allzu gern empfängt Nils Holger Thiel noch keine Gäste in seiner neuen Wohnung. Er ist immerhin noch mitten im Ausbau. Und der dauert noch einige Zeit. Schließlich hat der 47-Jährige wohl die abgefahrenste Wohnung in Malchin: 240 Quadratmeter Wohnfläche auf sieben Etagen nennt er sein Eigen. Von den eigenen vier Wänden kann er allerdings nicht reden, sein Haus hat nämlich nur eine. Und die ist rund. Thiels neues Wohnhaus ist 25,5 Meter hoch, mittlerweile 111 Jahr alt und steht unter Denkmalschutz.

2006 war es, als der gelernte Schlosser den Malchiner Wasserturm von der Stadt erwarb. Thiel war einer von drei Bewerbern, die sich auf eine „Kontaktanzeige“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gemeldet hatten. „Ich bin 103 Jahr alt, von kräftiger Statur, habe ein eindrucksvolles technisches Innenleben, eine attraktive Außenfassade und bei einer Größe von 25,5 Meter einen wundervollen Blick in das Herz der Mecklenburger Schweiz“, hatte die Stadt 2005 inseriert. Die Stadtvertreter entschieden sich für den einzigen einheimischen Bewerber.

Dass es vorangeht, ist jetzt auch von außen zu sehen. Das vier Jahre lang am Turm stehende Baugerüst ist seit einigen Wochen verschwunden. 52 neue Fenster hat Thiel, der am Malchiner Bahnhof die Thiel & Töchter Holzwerkstatt betreibt, in dem Turm eingebaut. Alle natürlich selbst angefertigt. Die größte Herausforderung waren allerdings die sechs Zwischendecken aus Stahlbeton, die in dem Bauwerk eingezogen werden mussten. Währenddessen ist der riesige Wasserkessel aus Stahl in Einzelteile zerlegt und entfernt worden. Der Turm hat nun zwei Aufgänge, zwei Türme im Turm sozusagen: ein Treppenhaus und einen Aufzugsschacht.

Da ist auf sieben Etagen noch genügend zu tun. Doch was macht einer allein mit sieben Räumen? Seine Töchter und sein Sohn werden mit einziehen, verrät er. Und auch sein Kanarienvogel werde wohl ein eigenes Zimmer und damit eine ganze Etage bekommen.

Anfang nächsten Jahres will der Bauherr in seinen Wohnturm einziehen.