Kampf der Rivalen:

Erst die Flasche, dann die Kopfnuss

Auf Wiedersehen vor Gericht: Ein 39-Jähriger gerät wohl leicht in Rage. Gerade erst saß er wegen einer Haar-Attacke auf der Anklagebank. Nun musste er schon wieder vor dem Richter erscheinen. Diesmal war sein Opfer der damalige Freund seiner Ex.

Was war zuerst? Die Flasche oder die Nuss? Für den Beschuldigten hatte die Beziehungskrise, die ihn inzwischen zwei Mal vor Gericht brachte, einen Ausgang, der ihn feixen lässt.
NK-Bildmontage mit Foto: Carina Göls Was war zuerst? Die Flasche oder die Nuss? Für den Beschuldigten hatte die Beziehungskrise, die ihn inzwischen zwei Mal vor Gericht brachte, einen Ausgang, der ihn feixen lässt.

Alte Bekannte. Erst im Dezember haben sich Richter Jörg Langhof und Angeklagter Heiko G.* zuletzt im Amtsgericht Demmin getroffen. Nun saß der 39-Jährige wieder auf der Anklagebank, mit genau der gleichen Unschuldsmiene wie damals. Und auch die Beteiligten in diesem Fall waren wieder dieselben. Die Ex, ihr Freund und der Mann selbst. Diesmal ging es nicht um die langen Haare seiner Frau, die er in Rage gegen ihren Willen abgeschnitten hatte. Es ging um eine Kopfnuss, die er dem damaligen Freund der Ex im Juli vergangenen Jahres verpasst haben soll.

Heiko G. streitet es auch gar nicht ab. Doch will er das wieder aus reiner Notwehr getan haben. „Eigentlich wollte ich ja allem aus dem Weg gehen“, meinte der Angeklagte. Aber er war doch zu der Wohnung des Nebenbuhlers in Neukalen gefahren, um mit der Frau Fragen des Kindergeldes zu klären. Doch als er vor der Tür stand, sei der neue Freund  „wie ein Bekloppter mit einer Flasche in der Hand auf ihn losgestürzt“ und habe zuschlagen wollen. „Dann habe ich ihn mit meinem Kopf gegen seinen Kopf eine gelangt.“ Zeit für klärende Worte gab es zwischen den beiden Herren nicht. Der Nebenbuhler habe sich doch nur rächen wollen, wegen der abgeschnittenen Haare.

Und plötzlich erinnert sich die neue alte Liebe

Heiko G. wirkte bei seiner Aussage selbstsicher. Denn: Inzwischen sei seine Frau wieder zu ihm und den Kindern zurückgekehrt. Also wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen? Vor der Polizei hatte die Freundin noch ausgesagt, sie habe von allem nichts mitbekommen. Jetzt aber erinnerte sie sich plötzlich, dass ihr damaliger Freund mit einer Wein- oder Sektflasche auf ihren Mann losgegangen sei. Damals soll der inzwischen wieder Verflossene sie gedrängt haben, dass sie diese Wahrheit besser nicht ans Licht bringen soll. „Jetzt aber sage ich die Wahrheit“, beteuert sie und erzählt auch von der Kopfnuss.

Das eigentliche Opfer hat natürlich alles ganz anders erlebt. Er behauptete, dass Heiko G. ihm ohne jeglichen Grund eine verpasst hat. „Erst im Nachhinein hatte ich ‚ne Sektflasche in der Hand“, meinte er. Zur eigenen Verteidigung. Dem Richter kam das alles ein bisschen Spanisch vor. Wenn einer gerade eine Kopfnuss eingesteckt hat, hole man entweder eine Waffe, um sein Gegenüber anzugreifen oder man bleibe in der Wohnung. Es sei doch lebensfremd, mit einer Flasche in der Hand nur diskutieren zu wollen.

Egal, was sich genau zugetragen hat. An der Kopfnuss ließ sich nichts rütteln. Weil der 39-Jährige aber  im Dezember zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, wurde unter Berücksichtigung dieses Urteils das Verfahren eingestellt. Denn die Kopfnuss wäre gar nicht weiter ins Gewicht gefallen. (*Name geändert)