Böses Erwachen nach Alkoholrausch: :

Freundschaft und Autos zerstört

Den Einbruch in die Gartenlaube eines Freundes gibt ein 25-jähriger Mann ja zu. Weitere Vorwürfe bestreitet er. Für seine Version der Geschichte war er der Staatsanwältin am fraglichen Tag allerdings nicht betrunken genug.

Erst ein Geständnis gegenüber einem Freund, dann ein paar Autos zertrümmern. An Letzteres will sich der Angeklagte vor dem Richter aber nicht erinnern können.
Marcel Kusch Erst ein Geständnis gegenüber einem Freund, dann ein paar Autos zertrümmern. An Letzteres will sich der Angeklagte vor dem Richter aber nicht erinnern können.

Beklaut man denn Kumpels? Richter Jörg Langhof kann die Tat des Angeklagten nicht ganz nachvollziehen. „Ich hätte mir das auch alles gern erspart“, gibt Rico M.* kleinlaut zu. „Ich weiß selbst nicht, warum ich noch mal zurückgegangen bin.“

Im April 2013 hatte der 25-jährige Demminer mit ein paar Kumpels in einem Garten bei Dargun Geburtstag gefeiert. Es war ein feuchtfröhlicher Abend. Alkohol floss reichlich. Als die Party vorbei war, wollte Rico M. in seinem Auto schlafen. Doch irgendetwas trieb ihn zurück in die Gartenanlage. „Die Laube war offen, ich bin reingegangen“, erzählt er. Er nahm Laptop, Lautsprecher, Verstärker, Boxen und Mischpult mit – alles Dinge, die ein Kumpel dort untergestellt hatte. Beim Heraustragen der Technik habe er eine Fensterscheibe beschädigt. Die Boxen und der Verstärker seien ihm umgekippt. Um es wie einen Einbruch aussehen zu lassen, habe er die Scheibe dann zertrümmert.

Der Richter kann da nur mit dem Kopf schütteln. „Es war ein Einbruch“, klärt er den Angeklagten auf. Der weiß nichts weiter darauf zu entgegnen, beteuert nur, dass er sonst nicht der Randalierer-Typ sei. Eigentlich wollte er ja gleich alles zurückgeben. „Aber ich hatte Angst“, meint er. „Ich habe mich Sch.... gefühlt.“ Rico M. entschuldigt sich beim Geschädigten. Bis auf den Laptop hat dieser seine Technik wieder zurück, erklärt ein 27-jähriger Zeuge. Wegen des Computers würden sie Ratenzahlungen vereinbaren. 

Fast ein Jahr nach dem Einbruch war erst herausgekommen, wer damals die Sachen aus der Laube gestohlen hat. „Er hat alles zugegeben, ich hab dann die Polizei gerufen, nie mehr Kontakt zu ihm gehabt“, sagt der 24-jährige Laubenbesitzer, und schaut zum Angeklagten. Der weiß noch von seiner Beichte, aber was an jenem Apriltag 2014 noch passierte, daran will er sich nicht mehr erinnern. Laut Anklage soll er auf dem Gelände eines Auto- und Bootshandels in Demmin von vier Autos die Seiten- oder Frontscheiben eingeschlagen haben und auf den Wagen herumgehüpft sein. „Ob ich es war, das weiß ich nicht“, sagt Rico M.

Vieles aber spricht dafür, meint der Richter. Die Polizei hat den Angeklagten nämlich unter einem der Wagen hervorgezerrt. Zudem sind Schuhprofile auf den Autos sichergestellt worden, die den Sohlen des 25-Jährigen gleichen. „Wenn ich wüsste, dass ich es war, würde ich es zugeben“, sagt der Angeklagte. Er könne sich nur erinnern, wie die Polizei ihn herausgezogen hat und dass er in der Ausnüchterungszelle war, wo ihn die Polizisten an die Wand gedrückt hätten. 1,79 Promille sind damals bei ihm festgestellt worden. Für einen Vollrausch ist das der Staatsanwältin zu wenig. Sie zweifelt daran, dass der Angeklagte von diesem Tag nichts mehr weiß.

Rico M.’s Verteidiger indes sieht es nicht als bewiesen an, dass sein Mandant die Autos beschädigt hat. Er will ein Gutachten, ob die Schuhprofile tatsächlich zum Angeklagten gehören. Doch die Schuhe liegen noch beim Landeskriminalamt (LKA). Die Spuren sind dort noch nicht ausgewertet worden. Nach einem Anruf des Richters beim LKA soll das nun aber in Kürze geschehen. Bis dahin wird der Prozess vertagt. Am 27. Januar soll er fortgesetzt werden.
(*Name geändert)

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