"Kunst offen" im Zuständigkeits-Wirrwarr:

Für Kunst ist an der Kreisgrenze Schluss

Ist die nordwestliche Mecklenburger Schweiz komplett kunstfrei? Natürlich öffnen auch hier Künstler zu Pfingsten ihre Ateliers. Nur sind sie virtuell im Bereich "Ostseeküste" zu finden. Anbieter hadern mit den Anmelde-Modalitäten.

Die Besucherin mit dem fröhlichen rapsgelben "Kunst offen"-Schirm schert sich nicht um administrative Grenzen, für die Aussteller sind diese aber ein schier unüberwindbares Hindernis.
Silke Voß Die Besucherin mit dem fröhlichen rapsgelben "Kunst offen"-Schirm schert sich nicht um administrative Grenzen, für die Aussteller sind diese aber ein schier unüberwindbares Hindernis.

"Land ohne Grenzen, Abenteuer ohne Ende". So wirbt der Landestourismusverband  in großen Lettern auf seiner Homepage für einen Besuch. Wer sich zu Pfingsten auf dieses Abenteuer einlässt, wird zumindest schnell an die Landkreisgrenzen stoßen. Denn was fünf Kilometer darüber hinaus in Sachen Kunst passiert, hat den Besucher offenbar nicht mehr zu interessieren. Diesen Eindruck hat zum Beispiel Mechthild von Levetzow als Koordinatorin der Aktion im Kunstspeicher Lelkendorf, der dummerweise im Landkreis Rostock liegt. Als sie die mehrtägige Veranstaltung in Zusammenarbeit mit einer Schleswig Holsteiner Galerie zusätzlich im nur wenige Kilometer entfernten Landkreis Seenplatte anmelden wollte, habe es dort geheißen, eine Anmeldung sei für Teilnehmer aus anderen Landkreisen nicht möglich.

Es verblüfft in der Tat, wenn man etwa die virtuelle Kunst-offen-Landkarte für den bundesweit größten Landkreis, die Seenplatte, aufschlägt. Und jenseits der Linie Remplin/Dargun westwärts nur noch weiße Flecken vorfindet. Mitnichten aber ist diese Gegend völlig "kunstfrei". Was nur der Einheimische weiß: Es ist nur ein Katzensprung von der "Art der Provinz" in der Klosteranlage Dargun bis ins Pfarrhaus Altkalen, wo sich das Label "taufrisch" vorstellt - weil Altkalen taufrisch zum Landkreis Rostock gehört. Eine hübsche Landpartie könnte man auch von der Schlosskapelle Remplin über den Atelierhof Kaden in Wendischhagen nach Groß Köthel machen. Auch letzteren Ort, wo mehrere Künstler in einem großen Speicher ausstellen, muss man sich allerdings schon auf der Homepage des Landkreises Rostock suchen. Oder man wird tatsächlich fündig in einem mehrerer Landestourismusverbands-Flyer, nämlich dem über die "Mecklenburgische Ostseeküste und Schwerin".

Die landesweite Aktion läuft unter dem Dach des Landestourismusverbandes. Die Herausgabe der Publikationen aber obliegt den jeweiligen Regionen, erklärt Verbandssprecher Tobias Woitendorf. Und das soll seiner Meinung nach auch so bleiben. Akteure, die "mit einem Bein in einem und mit dem anderen im nächsten Kreis stehen", seien zu bedauernde Einzelfälle und daher mit einem Hinweis auf regionsübergreifende Programme zu bedenken. Schließlich aber würden die Koordinatoren vor Ort sich am besten auskennen. Die Koordinatorin für "Kunst offen" an der Seenplatte, Adele Krien, räumt aber ein, schon mal "grenzüberschreitende" Ausnahmen zu machen und auch Künstler zum Beispiel aus dem Raum Vorpommern aufzunehmen - wenn denn die Qualität stimme. Eine Karte für das ganze Land wäre aus ihrer Sicht zu unübersichtlich. Jedoch habe der Landestourismusverband eine App dafür entwickelt. Immerhin ein schwacher Trost für kunstbegeisterte Pfingst-Ausflügler:  "2016 wollen wir gemeinsam mit dem zentralen Verband die Werbung optimieren."