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Gasthäuser: Lehrstellen geraten zu Leerstellen

VonMathias GreisertAuf Selbstbedienung müssen Hotels und Gaststätten der Region zum Start der diesjährigen Saison noch nicht umstellen. Doch der Nachwuchs ...

Christin Hennicke liebt an ihrer Ausbildung beim Hotel Schloss Teschow vor allem die Abwechslung. Ihre Leidenschaft spüren auch ihre schwedischen Gäste Anna Pettersson und Urban Eriksson.  FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Auf Selbstbedienung müssen Hotels und Gaststätten der Region zum Start der diesjährigen Saison noch nicht umstellen. Doch der Nachwuchs macht sich zusehends rar.

Teterow/Gnoien.„Unsere ganze Branche hat da Einiges falsch gemacht.“ Dass immer weniger Schulabgänger ihren Traumberuf in der Gastronomie sehen, ist für Lars Schwarz vom Restaurant „Nudeloper“ in Gnoien kein Wunder. Zu spät werde vielen Betrieben bewusst, dass Ausbildung in erster Linie der Sicherung des eigenen Fachpersonals diene. "Wer im Schulpraktikum zwei Wochen nur dreckiges Geschirr spülen darf, bewirbt sich sicher nicht in der Gastronomie", so das Mitglied des Tourismus-Ausschusses der IHK. Allein dabei hätten es viele Betriebe lange versäumt, den Negativ-Schlagzeilen über schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung im direkten Kontakt mit potenziellen Auszubildenden etwas entgegenzusetzen. Seit über zehn Jahren bildet Lars Schwarz Köche und Restaurantfachleute aus, in diesem Jahr für die geplante Erweiterung seines Hauses erstmals auch eine Hotelfachkraft. Doch statt der einst 200 bewerben sich bei ihm nur noch 40 bis 60 junge Menschen um eine Ausbildung.
Fast jede vierte der bis Ende März im Arbeitsagenturbezirk Rostock gemeldeten Lehrstellen kommt aus dem Bereich der Hotels und Gaststätten. Doch inzwischen haben die Ausbildungssuchenden die Wahl, nicht mehr unbedingt die Arbeitgeber. Den insgesamt rund 1600 gemeldeten Lehrstellen stehen durch die geburtenschwachen Jahrgänge weniger als 1000 junge Menschen gegenüber, die eine solche suchen.
So fällt es in unserer Stichproben-Umfrage immer mehr Gastwirten schwer, Ausbildungsplätze zu besetzen. Jörg Baenitz vom Landhotel Schorssow etwa hat vor drei Jahren seinen letzten Lehrling durch die Prüfung gebracht. Bei der Teterower Stadtmühle von Karin Latzkow hat im vergangenen Frühjahr die bislang letzte Auszubildende ihre Lehre abgebrochen. „Ich würde gern wieder ausbilden, aber inzwischen fragt nicht mal mehr jemand nach einer Ausbildungsstelle“, sagt sie resigniert. Auch Andreas Albrecht, Inhaber des Gasthofs „Zur Erbmühle“ in Todendorf konnte im letzten Jahr erstmals keine neuen Azubis einstellen. Für das im Herbst beginnende Ausbildungsjahr habe er aber schon zwei Bewerber im Auge, ist er optimistisch. Dennoch freue er sich wie seine Berufskollegen auf jeden weiteren Bewerber. „Die Aussichten sind so gut wie nie“, ist derweil Christin Hennicke überzeugt. Sie ist beim Hotel Schloss Teschow Restaurantfachfrau im ersten Lehrjahr obwohl sie schon eine andere Ausbildung abgeschlossen hat. Gut ausgebildete Fachkräfte werden inzwischen überall händeringend gesucht, sagt die 26-Jährige. Und dadurch mittlerweile auch immer besser bezahlt, fügt sie lächelnd hinzu. Klar sei die Gastronomie manchmal ein echt harter Job, gibt auch ihre Hoteldirektorin Ruth Ramberger zu. „Wir würden den jungen Leuten nur gern viel stärker zeigen, wie vielfältig und spannend unsere Berufe sein können“, wünscht sie sich viel mehr Bewerbungen für Praktika und Probearbeiten.

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