Teterow:

Girls’Day: Politik, warum eigentlich nicht?

VonMathias GreisertEinen ganz besonderen Tag erlebte in diesem Jahr eine Schülerin aus Teterow. Hinter den Kulissen der großen Politik machte sie in Berlin ...

Volltreffer – Julia Rau erzählt zuhause in Teterow noch ganz begeistert von ihrem Besuch im Bundestag. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Einen ganz besonderen Tag erlebte in diesem Jahr eine Schülerin aus Teterow. Hinter den Kulissen der großen Politik machte sie in Berlin erstaunliche Entdeckungen.

Teterow/Berlin.Von wegen nur graue Anzüge. Von wegen alle sind steif und höflich und lassen einander immer ausreden. „Der Weg hat sich echt gelohnt“, strahlen Julia Raus blaue Augen noch am Tag nach ihrem „Girls’Day“ im Bundestag.
Im Nordkurier war die 15-jährige Teterowerin darauf gestoßen, dass der Rostocker Grünenpolitiker Harald Terpe zu diesem bundesweiten Aktionstag Mädchen aus M-V einlädt, das immer noch männlich dominierte Berliner Parlament zu erkunden. Per Online-Bewerbung ergatterte Julia eines der drei Tickets. „Vielleicht ist die Politik ja später mal etwas für mich?“ Um das herauszufinden, ist sie vor Tau und Tag in den Zug gestiegen.
Schon während der Fahrt lernt sie Julia aus Anklam kennen. Ein Mädchen in ihrem Alter, um diese Zeit allein im Zug? Die konnte ja nur auf dem Weg zum Bundestag sein, erzählt Julia aus Teterow und streicht ihre blonden Haare hinters Ohr. Auf dem Berliner Hauptbahnhof treffen die beiden auch Melwina aus der Nähe von Ludwigslust. „Wir drei vom Dorf haben erstmal nur gestaunt, wie groß dort alles ist“, lacht die junge Teterowerin. Dann die Sicherheitskontrollen im Jakob-Kaiser-Haus, dem größten Nebengebäude des Reichstags, in dem mehr als die Hälfte aller Bundetagsabgeordneten ihre Büros haben. Dem Metalldetektor entgehen die beiden Sprayflaschen in Julias Tasche nicht. Entwarnung, nur Deo und Haarspray. „Überall Sicherheitsleute, ständige Überwachung, das war schon unheimlich“, sagt sie.
Überraschend für die Mädchen auch das Mittag mit Harald Terpe. „Er hat Fleisch gegessen!“, muss Julia über ihr eigenes Grünen-Klischee lachen. Trotzdem denkt sie, dass sie die Politiker und Mitarbeiter der Grünen zwischen denen der anderen Parteien deutlich erkannt hat. Sie sind lockerer gekleidet und reden auch lockerer miteinander, hat sie beobachtet.
Alles andere als locker dann aber die Debatte im Bundestag. „Die schreien sich richtig an“, reißt Julia Rau die Augen auf. Es geht um die Entscheidung, ob der Bundestag einen eigenen NPD-Verbotsantrag stellt oder nicht. Immer wieder stören Zwischenrufe die verschiedenen Redner. „Das hätte ich mir viel ruhiger und geordneter vorgestellt.“
Bevor sie in die Politik geht, will Julia aber erstmal studieren, Zahnmedizin. Später kann sie es sich aber durchaus vorstellen, sagt sie. „Es war ein fantastischer Tag, das Interesse ist jedenfalls geweckt.“

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