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Gnoien zeigt großes Kämpferherz

Trotz der 0:6-Niederlage gegen den FC Hansa Rostock sind die Zuschauer voll des Lobes über die Warbelstädter. Auch weil sie aus der Begegnung ein richtiges ...

Trotz der 0:6-Niederlage gegen den FC Hansa Rostock sind die Zuschauer voll des Lobes über die Warbelstädter. Auch weil sie aus der Begegnung ein richtiges Volksfest machten.

Gnoien.Sie dröhnte vor dem Anpfiff im Stadion an der Windmühle unüberhörbar aus den Lautsprecherboxen, die Hymne des Gnoiener Sportvereins: „Die Farben Gelb und Blau, das ist unser GSV“. Wenn man sich allerdings am Dienstagabend im weiten Rund so umschaute, regierte auf den Traversen eine andere Farbkombination: die blau-weiße des FC Hansa Rostock. Schals, Armtücher, Spruchbänder – die Hansa-Fans zeigten Flagge an der Warbel.
Unter ihnen war auch der Malchiner Peter Munkelberg. Der ist selbst Kicker, spielt in der ersten Mannschaft des FSV Malchin. Um Hansa so hautnah erleben zu können, hatte er am Dienstag sogar sein Training abgesagt. „So ein Spiel bekommt man nicht alle Tage geboten. Das kann man sich nicht entgehen lassen“, sagte er und zeigte sich überzeugt, dass die Hansa-Kicker Gnoien mindestens mit zehn Toren aus dem Stadion schießen.
Bevor es so richtig los ging auf dem Grün, hatten sich Annett Stern und ihr Sohn Wilhelm aus Laage am Stand des FC Hansa noch mit neuen Fanartikeln eingedeckt. Mutter und Tochter sind eingeschworene Hansa-Fans, verpassen kein Heimspiel und drückten der Kogge natürlich auch am Dienstag die Daumen.
Obwohl er aus dem benachbarten Jördenstorf kommt und sich sein Dorf in aller Regel mit den Gnoienern heißblütige Derbys liefert, erhoffte sich Karl Gutzmann eine Pokalsensation der Warbelstädter. Gutzmann war selbst aktiver Fußballer, war 13 Jahre Vereinschef des SV Jördenstorf und konnte gut nachempfinden, was das für ein großer Tag war für die Gnoiener Fußballkollegen. „Bei solchen Spielen wünscht man sich doch immer, dass der Underdog dem Favoriten ein Bein stellt“, sagte er. Wie alle anderen Gnoiener Fans musste er allerdings nach gut 20 Minuten Spielzeit und den ersten drei Toren des FCH einsehen, dass die Hanseaten dann doch mindestens zwei Nummern zu groß sind für Gnoien.
Im Stadionrund – und das konnte man von allen großen und weniger großen Experten hören – bescheinigten dem GSV aber so ziemlich alle ein großes Kämpferherz und eine beachtliche Leistung. Dem schloss sich auch die Gnoienerin Dorothea Brandt an. Statt einem gelb-blauen trug auch sie einen blau-weißen Hansa-Schal. Seit 1976 wohnt sie an der Warbel. Und das Hansa-Spiel bescherte ihr eine ganz neue Erfahrung: Zum ersten Mal überhaupt war sie im heimischen Stadion an der Windmühle.
Deutlich weiter als Dorothea Brandt hatten es am Dienstag Jan, Moritz und Torsten. Die jungen Männer waren extra von der Insel Rügen angereist, um Hansa zu unterstützen. Ihr Resümee nach dem Spiel: „Ein ungefährdeter Sieg, aber auch ein großes Kompliment an die Heimmannschaft und die Organisatoren des Pokalspiels. Es war nicht nur ein Fußballspiel, für die Gnoiener war es auch ein gelungenes Volksfest. Für sie leider ohne Happy End.“
Beim Gnoiener Sportverein zeigten sich die Verantwortlichen vor allem zufrieden darüber, dass das ganze Spektakel friedlich über die Bühne ging. Mit 2500 Zuschauern umzugehen, damit hat man an der Warbel nicht unbedingt Erfahrungen. Die Polizei sprach von einem äußerst ruhigen Einsatz, auch nach dem Spiel habe es keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben – lediglich in der Innenstadt waren am späten Abend noch einige Feuerwerkskörper abgefeuert worden. Ansonsten waren Hansa-Spieler und die meisten Fans recht schnell wieder verschwunden. Wohl auch, um sich den Bayern-Sieg gegen Barcelona nicht entgehen zu lassen.tko/tb