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Heiligabend Open Air in Stavenhagen

Not macht erfinderisch. Da in ihrer Kirche gebaut wird, mussten sich die evangelischen Christen etwas einfallen lassen. Und so erleben rund 400 Menschen in Stavenhagen eine Christvesper der besonderen Art.

Open Air auf dem Stavenhagener Schlosshof...
Eckhard Kruse Open Air auf dem Stavenhagener Schlosshof...

Die evangelische Stadtkirche war in diesem Jahr weiß Gott kein Raum, um Weihnachten darin zu feiern. Die Handwerker stecken mitten in den Bauarbeiten, um Balken und Dach zu sanieren. Die Decke des Kirchenraums ist durchlöchert. Gerüste sind aufgestellt. Und sämtliche Bänke, Kanzel, Altarbild und Orgel sind zum Schutz gegen den Staub mit Planen abgedeckt. Dazwischen möchte wohl wahrlich niemand einen Weihnachtsgottesdienst feiern. Es wäre sogar verboten. Denn der Zutritt zur Kirche ist momentan nur den Bauleuten gestattet.

So müssen sich die evangelischen Christen aus Stavenhagen am Heiligen Abend ein bisschen wie Josef und Maria in der biblischen Geschichte gefühlt haben. Die Reuterstädter erfuhren, was es heißt, keinen Ort zu haben, an dem man bleiben kann und der ausreichend groß genug ist. Sie mussten sich zwar nicht auf eine beschwerliche Reise begeben. Aber ihnen erging es ein wenig wie Josef und Maria, die ja vor über 2000 Jahren vergeblich nach einer Herberge in Bethlehem – in den heutigen palästinensischen Autonomiegebieten – gesucht haben sollen.

Beiden – Josef und Maria sowie der Kirchgemeinde –öffneten sich dann aber doch noch Türen. Die einen durften ihr Quartier in einem Stall beziehen, wo Maria ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht haben soll. Für die anderen öffneten sich die Pforten des Stavenhagener Schlosshofes. Im warmen Lichterschein des beleuchteten Schlosses feierten die Christen und auch andere Stavenhagener ihre Christvesper. Für Pastorin Melanie Dango ein ganz besonderer Ort zu einer ganz besonderen Zeit.

Neben dem besonderen Ort für einen Heiligen Abend zählte Pastorin Melanie Dango noch andere besondere Orte und Zeiten auf: Den Tag, an dem man seinen Partner kennengelernt hat, den ersten Schultag, die Geburt des eigenen Kindes. Und auch für Josef und Maria sei der Stall zu einem ganz besonderen Ort in einer ganz besonderen Zeit geworden. Mit einem Schlag habe sich deren Leben verändert. Menschen suchten heute noch nach den Zeiten absoluten Glücks und inneren Friedens. „Ich möchte Ihnen hier heute sagen: Diese Momente kommen von selbst. Diese Momente kann es dann geben, wenn wir Gott in unser Leben lassen“, sagte sie. Der Bläserchor um Hartmut Nickel postierte sich im ersten Stock des Schlosses und spielte Lieder durch die geöffneten Fenster. Die rund 400 Menschen auf dem Schlosshof suchten sich in der Menschenmenge einen windgeschützten Platz. Für die Kirchgemeinde wird dieser Platz für eine Christvesper ein besonderer und wohl einmaliger Ort bleiben. Denn im September nächsten Jahres sollen die Sanierungsarbeiten an der Stadtkirche beendet sein. Das ist das erklärte Ziel: Auch wenn noch mehr Balkenköpfe erneuert werden müssen als geplant, wie von Pastorin Melanie Dango zu erfahren war.