Dorf bietet Wohnraum:

Her mit den Flüchtlingen!

Im einstigen Internat beginnen die Umbauarbeiten, da schwappt schon eine besondere Welle der Solidarität durch Jördenstorf. 70 Kriegsflüchtlinge sollen hier eine Unterkunft finden.

Daumen hoch: Bürgermeister Reinhard Engel freut sich über die klaren Zeichen der Solidarität aus seinem Ort.
Eberhard Rogmann Daumen hoch: Bürgermeister Reinhard Engel freut sich über die klaren Zeichen der Solidarität aus seinem Ort.

Die Ankündigung von Landrat Sebastian Constien (SPD), in Jördenstorf künftig Asylbewerber einzuquartieren, hat bei Marie Louise Ludwig aus Sukow Erinnerungen aus ihrer Kindheit aufsteigen lassen. Im Alter von vier Jahren war sie mit ihrer Familie 1942 in Essen ausgebombt und daraufhin ins Allgäu verschickt worden. Mit wenigen Habseligkeiten kam die Familie auf einem Bauernhof an.

Willkommen war sie dort nicht. „Die räumliche Enge belastete uns schon sehr. Aber viel bedrückender war die abweisende Situation von Seiten der Gastgeber, die gezwungen wurden, uns aufzunehmen“, schildert sie. Heute schwant ihr, dass den angekündigten Flüchtlingen ein ähnliches Schicksal bevorstehen könnte. „Ich werde den Gedanken nicht los, dass auch sie nicht gerade freundlich angenommen werden, denn es wurde kein Einwohner gefragt“, bekennt sie.

Ein Dorf lernt aus der eigenen Geschichte

Doch Marie Louise Ludwig hält dagegen und hat ganz konkrete Ideen. So regt sie an, Einheimische könnten eine Art Patenschaft für die Flüchtlingsfamilien übernehmen. Das solle nicht in finanzieller Weise geschehen, sondern im Kümmern. „Man hilft ihnen, mit den täglichen Anforderungen in einem fremden Land zurechtzukommen. Es müsste eine Anlaufstelle für beide Seiten geben, die beratend zur Seite steht.“

Mit ihren Überlegungen steht die Frau aus Sukow keineswegs allein. „Wir haben etliche Familien in der Gemeinde, die als Flüchtlinge nach dem Weltkrieg hierher kamen. Da gibt es viel Verständnis“, sagt Bürgermeister Reinhard Engel (SPD). So habe er schon erste Angebote für Möbelspenden von Einwohner erhalten. Jemand erklärte sich bereit, den Fremden Deutschunterricht zu erteilen. Engel wertet das als verheißungsvolle Signale.