Ratten, Schüsse, Vetternwirtschaft:

Herr Dettmann, was ist da los in Ihrer Stadt?

Nein, eine glückliche Figur hat die Teterower Stadtverwaltung nicht gemacht in den vergangenen Wochen. Teure Investitionen, die keiner so recht erklären kann. Beschwerden über Müll und Ratten. Und eine Anzeige wegen Vandalismus, die irgendwo im Rathaus untergeht. Im Gespräch mit Carsten Schönebeck bezieht Teterows Bürgermeister Reinhard Dettmann Stellung zu den Vorwürfen.

Dass seine Frau nun Räume an die Stadt Teterow vermietet, dabei war Bürgermeister Reinhard Dettmann zunächst auch nicht ganz wohl.
Axel Heimken Dass seine Frau nun Räume an die Stadt Teterow vermietet, dabei war Bürgermeister Reinhard Dettmann zunächst auch nicht ganz wohl.

In den vergangenen Wochen mehren sich die Beschwerden der Bürger über Rattensichtungen. Am helllichten Tag auf offener Straße. Bei der Kommunaltechnik hält man das für ganz normal. Sehen sie das ähnlich?

Nein. Wir müssen das ernst nehmen. Ich kann die Beschwerden gut verstehen. Es gab da aber eine ungünstige Konstellation zu Beginn des Jahres, die das Problem hervorgerufen hat.

Was meinen sie mit „ungünstiger Konstellation“?

Ganz wird man die Tiere nicht aus der Stadt herausbekommen. Aber meist setzt der Winter einer Rattenpopulation zu. Doch der war bisher sehr mild. Gleichzeitig wurde im Landkreis der Abtransport von Müll neu organisiert. Das hat dazu geführt, dass zu Jahresbeginn Abfälle viel länger offen auf der Straße standen, als das sonst der Fall ist. Inzwischen wurden aber Köder ausgelegt. Ich hoffe, dass wir das Problem damit in den Griff bekommen.

Wurde das Gift routinemäßig oder wegen der Beschwerden ausgelegt?

Die Köder werden regelmäßig ausgelegt, eine verstärkte Kampagne gibt es vorerst nicht. Aber wir müssen das Problem jetzt sehr genau im Auge behalten, um zu sehen ob die normalen Maßnahmen ausreichen. Aber die erhöhte Aufmerksamkeit ist da.

Noch ein Umstand des Jahreswechsels: Dass zum neuen Jahr geballert wird, ist ja in Ordnung. Aber mit Schusswaffen auf die Feuerwehr? Wie kann es sein, dass die Stadtverwaltung da keine Anzeige stellt?

Das klang tatsächlich etwas seltsam und nach dem Pressebericht habe ich mich im Rathaus noch mal erkundigt. Im Endeffekt hat sich das alles als Missverständnis herausgestellt.

Inwiefern?

Als der Schaden entdeckt wurde, hat die Feuerwehr selbst die Polizei gerufen. Einer der Beamten war vor Ort und hat sich das angesehen. Die Stadtverwaltung wurde in Kenntnis gesetzt. Die Mitarbeiter im Rathaus sind aber davon ausgegangen, dass der Polizist vor Ort schon eine Anzeige aufgenommen hat. Das war ja auch so. Es bestand also gar nicht die Notwendigkeit, die Polizei erneut zu informieren.

Und wie kommt es dann, dass es von der Polizei heißt, dass man von den Geschehnissen aus der Zeitung erfahren hat?

Da muss es wohl ein Missverständnis innerhalb der Polizei gegeben haben. Die Anzeige ist dort zwar aufgenommen worden, wurde aber offenbar nicht sofort weitergegeben. Deshalb haben einige Beamten wohl erst in der Zeitung gelesen, was da geschehen ist.

Kennen Sie den Stand der Ermittlungen?

Ich bin sicher, dass die Polizei tut, was sie kann. Aber erfahrungsgemäß sind die Chancen schlecht, so etwas aufzuklären.

Gleichzeitig wird am Feuerwehrgelände ein neues elektrisches Tor gebaut. Angeblich, damit auf dem Hof keine Lkw mehr wenden. Bisher gab es damit aber keine Probleme.

Ich habe mir das inzwischen noch mal erklären lassen. Die Sache mit den Lkw ist tatsächlich eher ein Nebeneffekt. Das Gelände wird komplett eingezäunt. Da geht es vor allem um den Schutz von Eigentum.

Was kostet diese Maßnahme denn eigentlich?

Vorgesehen dafür sind 50 000 Euro. So hat es die Stadtvertretung im vergangenen Jahr beschlossen.

Eine Menge Geld für einen Zaun, den es bisher nicht gegeben hat. Gab es denn Probleme?

Ja. Wir wollen damit auch die Nachbarn schützen. Denn wer auf das Feuerwehrgelände läuft, kann dann relativ leicht auf andere Grundstücke kommen, ohne dass er von der Straße aus zu sehen ist. Da gab es Beschwerden von Anwohnern, die ungebetene Gäste auf ihrem Grundstück hatten. Gleichzeitig haben wir auch festgestellt, dass offenbar ein paar Leute den Hof der Wehr für nächtliche Treffen nutzen. Da wurden des Öfteren morgens Müll und leere Flaschen gefunden.

Noch ein Aufreger: Die Touristen-Information verlässt ihren alten Standort am Marktplatz und zieht in ein Haus, das pikanterweise ihrer Frau gehört. Verstehen Sie, dass Bürger daran Anstoß nehmen?

Natürlich verstehe ich das. Aber ich fühle mich durch die Kritik nicht so getroffen. Ich weiß, was ich für diese Stadt getan habe und wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Ganz glücklich war ich damit anfangs auch nicht.

Aber jetzt?

Sehen sie, der Vorschlag kam von Mitarbeitern der Verwaltung. Und weil das Gebäude meiner Frau gehört, war ich da natürlich in einer Zwitter-Situation. Sonst hätte ich mich selbst auch dafür stark gemacht. So ist der Vorschlag am Ende von den Stadtvertretern im Ausschuss diskutiert worden, ohne dass ich mich da positioniert hätte. Es gab ganz sachliche Gründe für diese Entscheidung.

Das Argument ist eine Einsparung bei der Miete. Aber der bisherige Vermieter war eine städtische Gesellschaft. Hätte man da nicht etwas machen können?

Diese Vorstellung ist ein bisschen naiv. Ich kann keine verdeckte Gewinnausschüttung der Wohnungsgesellschaft initiieren, damit ich am Ende hübschere Zahlen habe. Es geht um eine echte Einsparung. Und was meinen Sie, welche Vorwürfe gekommen wären, wenn die Stadt als Mieterin weniger zahlt, als alle anderen, die mit der Wohnungsgesellschaft Verträge haben. Die Miete war aber nur ein Argument für den Umzug.

Welche gab es denn noch?

Die Touristen-Information ist jetzt in direkter Nachbarschaft zum Museum. Davon erhoffen wir uns positive Effekte für beide Einrichtungen. Nicht zuletzt, weil man sich gegenseitig unterstützen kann, wenn es personell mal eng ist. Im Museum haben wir ja nur eine Mitarbeiterin.

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