Rätselraten um alten Brief:

Hilferuf aus dem Ruhrgebiet: Wer kennt Förster Zarnow?

Ein Sammler entdeckt an einem Schreiben von 1869 an die Teterower Zeitung ein merkwürdiges Detail und geht auf Spurensuche. Er hofft auf Hinweise aus der „Heimat“ seines Fundstücks.

Kein Buch mit sieben Siegeln, aber trotzdem geheimnisvoll: Ein über 140 Jahre alter Brief an die „Teterower Zeitung“.
Heinz Kögler Kein Buch mit sieben Siegeln, aber trotzdem geheimnisvoll: Ein über 140 Jahre alter Brief an die „Teterower Zeitung“.

Wer war Heinz Zarnow aus Nienhagen und warum führte er als einfacher Förster ein eigenes Siegel? Diese Frage lässt dem Briefe-Sammler Heinz Kögler aus Iserlohn keine Ruhe. Eine Holzauktion im Mamerower Holz wollte sein Namensvetter für den 8. Januar 1869 ankündigen und gab dafür in der „Teterower Zeitung“ eine Anzeige auf. Das Merkwürdige: Er verschloss den Brief dazu mit einem Lacksiegel, das einen springenden Hirsch und seine Initialen H.Z. zeigt. „Siegel waren zu der Zeit noch Adligen oder sehr Wohlhabenden vorbehalten“, weiß der Rentner und Hobby-Paläontologe aus dem Ruhrgebiet.

Im Internet hat er herausgefunden, dass das Fürstenhaus Schaumburg-Lippe im 19. Jahrhundert etliche Ländereien in Mecklenburg erwarb, darunter auch Nienhagen, von wo aus der Förster schrieb. Allerdings könnte das betreffende Waldstück nach seinen Recherchen auch zu Burg Schlitz gehört haben. Für wen also arbeitete Zarnow, dass er ein eigenes Siegel führte? Das Zentralarchiv des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe im niedersächsischen Bückeburg konnte Heinz Kögler beispielsweise nicht weiterhelfen, sagt er. In einer anderen Internet-Datenbank hat er nur gefunden, dass im 19. Jahrhundert etwa 250 Personen mit dem Familiennamen Zarnow nach Amerika ausgewandert sind.

„Vielleicht gibt es ja trotzdem Nachfahren des Försters in ihrer Region“, hofft der Sammler am Redaktionstelefon. Oder Nachfahren des Mannes, der den Erhalt der Anzeigengebühr bestätigt und wahrscheinlich den Brief gelocht und mitsamt der Quittung abgeheftet hat: Franz Kohlert. Im Teterower Stadtarchiv hat Archivleiter Frank Herholz eine aktuelle Karte der Region ausgebreitet und blättert im Großherzoglichen Mecklenburg-Schwerinschen Staatskalender für das Jahr 1868. Systematisch geordnet enthält das etwa vier Zentimeter dicke Büchlein verschiedenste Angaben zu Eigentumsverhältnissen und Verwaltungsstrukturen. Eine Sackgasse? Nienhagen ist dort sowohl unter Reinshagen dem Fürsten Schaumburg-Lippe zugeordnet, als auch unter Klaber der mecklenburgischen Landesherrschaft. Nähere Angaben Fehlanzeige.

Ein Blick ins Namensregister des Staatskalenders liefert dann doch noch einen Treffer. Unter der „Forstinspection Güstrow“ ist für Nienhagen ein Förster Carl Friedrich Heinrich Zarnow aufgeführt. Er muss damit für den Großherzog zu Mecklenburg-Schwerin gearbeitet haben. Wie der Stadtarchivar jedoch weiß, hatte der Landesherr einen Großteil seiner Flächen verpachtet - auch an Schaumburg-Lippe.

Um das aber bis ins Letzte zu klären, reichen die Quellen im Stadtarchiv nicht. Viele Dokumente sind mit der Auflösung der Gutsstrukturen nach 1945 im Schweriner Staatsarchiv gelandet, hat Frank Herholz zumindest einen Tipp für den Sammler. Möglicherweise könne auch das Archiv des Amtes Mecklenburgische Schweiz.

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