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Ivenack sitzt in der Schuldenfalle

Die Kasse ist leer. Und nun hat Stefan Guzu auch die Klarheit, die ihm im Mai noch fehlte: Es steht schlecht um die Finanzen der Ivenacker. Vor den Gemeindebewohnern liegt eine irrsinnig lange Durststrecke, um wieder alles in den Griff zu bekommen. Aber wie wollen sie die denn bewältigen?

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Gutsspeicher ging 2006 ans Netz. Einnahmen hat die Gemeinde daraus noch nicht.
Archiv/Eckhard Kruse Die Photovoltaik-Anlage auf dem Gutsspeicher ging 2006 ans Netz. Einnahmen hat die Gemeinde daraus noch nicht.

Als der neue Bürgermeister Stefan Guzu zum ersten Mal in die Bücher und in die Gemeindekasse schaute, da staunte er nicht schlecht. Dass die Gemeinde Ivenack kein Geld hat, das wusste er zwar schon. Aber dass es so schlecht um die Dorffinanzen steht, konnte er denn doch nicht ahnen. „Wir haben 1,6 Millionen Euro Schulden“, sagt er.

Für diese starke Verschuldung der Gemeinde nennt er mehrere Faktoren. Da sind zum Beispiel die Altschulden aus DDR-Zeiten, die Ivenack für die Neubaublocks in den Ortsteilen immer noch abzahlen muss. „Dann hat die Gemeinde die Photovoltaik-Anlage mit 700 000 Euro finanziert“, erläuterte Stefan Guzu. Bis jetzt habe die Anlage auf dem Gutsspeicher auch noch kein Plus eingefahren. „Wir hoffen, dass wir in den nächsten Jahren ein bisschen herausbekommen.“

20 Jahre lang muss gespart werden

Stefan Guzu wundert sich auch, dass die Gemeinde für die Schnitterkaserne pro Jahr nur eine Pacht von 1500 Euro bekommt. Das wird auch in den nächsten 35 Jahren so sein, verdeutlicht er. Denn so lange laufe der Erbbaupachtvertrag, den die Gemeinde mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) geschlossen hat.

Die AWO betreibt in dem sanierten Gebäude eine Küche, in der für Hunderte Kindergartenkinder gekocht wird. Und dann habe die AWO die Räume in der oberen Etage untervermietet: An einen Pflegedienst, der dort eine Pflegewohngemeinschaft betreibt.

Und weil die Gemeinde Ivenack nicht mit vielen Einnahmen rechnen kann, wird es noch ein ganzes Weilchen dauern, bis die Gemeinde wieder Oberwasser hat. Stefan Guzu hat da auch schon eine Schätzung aus der Stavenhagener Kämmerei bekommen, die ihn sorgenvoll stimmt. „Wenn wir keine neuen Schulden aufnehmen, wird es etwa 20 Jahre dauern, bis wir von den Schulden runter sind“, sagt er.

Der Bürgermeister hat einen Plan

Stefan Guzu hat deswegen einen Zehn-Punkte-Plan entworfen, um die Gemeinde zu entwickeln. Dabei setzt er vor allem auf Tourismus und die Sanierung der Denkmale. Denn auch die Landwirtschaft, der Einzelhandel, das Baugewerbe und das verarbeitende Gewerbe würden von einer touristischen Entwicklung rund um die Schlossanlage und die Ivenacker Eichen profitieren. Guzu würde unter anderem gern die Wohn- und Lebensqualität weiter verbessern, mehr Arbeitsplätze schaffen und mehr Kultur- und Freizeitaktivitäten anbieten. Alle Gemeindevertreter hätten dem Plan zugestimmt.