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Jetzt ist die Blütezeit der Hortensien-Kiffer

Nicht nur die Herbsttriebe, auch die Blüten sind beliebt: als Rauschmittel. Selbst auf Friedhöfen werden sie dafür gestutzt. Doch Vorsicht: giftig!

Manche bekiffen sich mit getrockneten Hortensien-Blüten. Immer wieder wird von geklauten oder abgeschnittenen Blüten berichtet – selbst auf dem Friedhof.
Silke Voß Manche bekiffen sich mit getrockneten Hortensien-Blüten. Immer wieder wird von geklauten oder abgeschnittenen Blüten berichtet – selbst auf dem Friedhof.

Sie sind schön, leicht zu haben und berauschend – Hortensien. Das finden auch Kiffer dufte, weshalb sie nicht nur auf die Herbsttriebe scharf sind, sondern aktuell auch auf Blüten und Blätter. So wird jedenfalls auch aus Gärten und von Friedhöfen der Region von Hortensien-Diebstahl berichtet.

Gerade auf Dörfern wie Groß Wüstenfelde oder Schwetzin finden sich jetzt zur Blütezeit immer wieder geköpfte Blumen, weiß zum Beispiel Gärtner Josef Dünninghaus in Teterow. Und Stephan Vichel vom Teterower Gartenmarkt berichtet von Kunden, die erzählten, dass derzeit Hortensien entweder geklaut oder abgeschnitten worden seien. Sie wüssten dann auch, zu welchem Zweck: als Rauschmittel.

Das Problem kennt auch Karina Matthiaschk, Leiterin der Sucht- und Drogenberatungsstelle Teterow – durch Leute, die ihr immer wieder berichten würden, dass Hortensien wegen diesem Zweck in ihrem Garten fehlen.

Achtung Blausäure

Vor dem Rauchen getrockneter Hortensienblüten als Marihuana-Ersatz wird allerdings ganz ausdrücklich gewarnt. Die vielblütigen Schönen sind nämlich hochgiftig, weil sie Blausäureverbindungen enthalten – jenem Gift, mit dem sich Magda und Joseph Goebbels am Ende des Dritten Reichs töteten.

Und so finden sich manche botanische Gefahren in Wald und Flur: Die Tollkirsche, von der sich die Damenwelt der Renaissance Auszüge in die Augen tröpfelte, um der Schönheit wegen die Pupillen zu erweitern. Manche musste ihren Trick mit Delirium und Tod bezahlen. Vorsicht geboten ist auch vor Eiben, Stechäpfeln, Herbstzeitlosen – und dem hochtoxischen Wasserschierling.

Legal aber gefährlich

Der "Konsum" von Hortensien ist völlig legal. Denn die unter Botanikern als „Hydrangea“ bekannte Pflanze fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Die Blätter, Blüten und vor allem die Blattknospen der Hortensie sollen eine berauschende Wirkung haben. Sie werden getrocknet, mit Tabak gemischt und geraucht. Die Dämpfe, die dabei entstehen, sollen dann ähnlich wie Marihuana wirken. Allerdings in abgeschwächter Form. Unter Experten ist das allerdings umstritten.

Die beim Rauchen freigesetzte Blausäure, die in den Blättern gebunden ist, kann bei vermehrtem Konsum fatale Folgen haben. So warnt etwa die Bundesapothekenkammer davor, dass bei einer Vergiftung mit Blausäure das zentrale Nervensystem gestört werden kann. Auch eine Bewusstlosigkeit und eine Schädigung der Atmungsorgane ist möglich. Das kann im Extremfall zum Tod führen.