Wer sagt hier die Wahrheit?:

Kampf gegen Vermieter und Abriss-Birne

Geht‘s hier doch nur um den schnellen Abriss gegen den Willen der Mieter? Für die Wohnblöcke in der Rempliner Schlossstraße hat es durchaus Interessenten gegeben. Doch warum hat die Wohnungsgesellschaft diese nicht einziehen lassen?

Langsam wird es der Malchiner Wohnungsgesellschaft zu viel: Mit zwei Wohnblöcken in der Rempliner Schlossstraße schreibt sie rote Zahlen.
Torsten Bengelsdorf Langsam wird es der Malchiner Wohnungsgesellschaft zu viel: Mit zwei Wohnblöcken in der Rempliner Schlossstraße schreibt sie rote Zahlen.

Ute Tschörner hat den Kampf noch nicht aufgegeben. Wie eine Reihe anderer Mieter in der Rempliner Schlossstraße will sie aus ihrem Wohnblock partout nicht ausziehen. Seit Jahrzehnten leben einige Mieter hier. Doch nun stehen seit geraumer Zeit immer mehr Wohnungen leer. Das ist auch der Grund, warum die Malchiner Wohnungsgesellschaft (Wogema) die Blöcke in der Schlossstraße lieber heute als morgen loswerden will. Mittwochabend sollen nun die Malchiner Stadtvertreter mit einem Beschluss den Weg zum Abriss frei machen.

Doch nun kommen neue Zweifel auf, ob die Wohnungsgesellschaft tatsächlich keine Schuld daran trägt, dass hier seit Jahren niemand mehr eingezogen ist. Tatsächlich hat es in der Vergangenheit einige Interessenten gegeben, die hier gern eine Wohnung genommen hätten. Steffi Dömlang zum Beispiel. „Ich wollte eine größere Wohnung haben und habe mich deshalb bei der Wogema gemeldet“, berichtet sie. Und dann sei sie ziemlich erstaunt gewesen über die Auskunft. Die Wohnung sei nicht gerade in einem guten Zustand gewesen, sie habe alles allein herrichten sollen. „Soviel Geld wollte ich aber nicht ausgeben.“

Interessenten allein reichen nicht

Auch Annett Dethloff-Wolf hätte gern eine Wohnung in den Schlossstraßen-Blocks bekommen. Für ihre große Familie wäre allerdings ein Durchbruch zu einer Nachbarwohnung nötig gewesen. „Das wollte man uns nicht genehmigen“, berichtet sie. Ute Tschörner weiß noch von einem dritten Wohn-Interessenten, der  abgewiesen worden sei. Hat also Wogema-Geschäftsführer Günter Busse die Unwahrheit gesagt, als er auf einer Einwohnerversammlung behauptete, es habe so gut wie keine Bewerber gegeben?

Busse sieht trotz der Proteste für die beiden Wohnblöcke keine Zukunft. Lediglich eine Familie sei hier in den vergangenen Jahren noch eingezogen. Und die anderen Interessenten? Einer habe unbedingt einen Hundezwinger auf dem Grundstück aufstellen wollen. Das habe die Wogema nicht erlauben können.

Auch den Wunsch auf eine Dachgeschoss-Wohnung habe das Unternehmen nicht erfüllen können. „Das Dachgeschoss können wir nicht mehr vermieten. Das entspricht nicht mehr den Bauvorschriften“, erläutert Busse. Und der anderen Interessentin sei die Wohnung einfach zu klein gewesen. Dass die Wogema die Wohnungen absichtlich nicht mehr vermietet habe, diesen Vorwurf weist Günter Busse erneut zurück.