Eltern und Schulleitung empört:

Kreis streicht Gratis-Schulbus wegen 200 Metern

Wer um die vier Kilometer von der Schule entfernt wohnt, muss im Kreis Seenplatte offenbar um den kostenlosen Schulbus fürchten. Für Zarnekow bei Dargun ist nämlich aufgefallen, dass die Orte ein neuer Radweg verbindet, der ein wenig kürzer als das zu Fuß Zumutbare ist.

Drei Kilometer sind es laut Ortstafel von Zarnekow nach Dargun. Doch wer wohnt schon am Ortseingangsschild. Die Eltern machen geltend, dass zwischen Wohnung und Schule mehr als vier Kilometer liegen.
Torsten Bengelsdorf Drei Kilometer sind es laut Ortstafel von Zarnekow nach Dargun. Doch wer wohnt schon am Ortseingangsschild. Die Eltern machen geltend, dass zwischen Wohnung und Schule mehr als vier Kilometer liegen.

Mehrfach hat Familie Walther die Strecke abgefahren – mit Auto und Fahrrad. Ein klein wenig mehr als vier Kilometer sind dabei herausgekommen, egal welche Strecke sie durch die Stadt Dargun gewählt haben. Mehr als vier Kilometer von der Wohnhaus-Tür in Zarnekow bis zum Schultor in Dargun – damit wäre der Fall eigentlich klar: Der Seenplatten-Kreis müsste für alle Zarnekower Schüler für den Schülerbus aufkommen. Macht er aber seit Schuljahresbeginn nicht mehr. Auf einmal werden die Eltern der Schüler ab Klasse 7 zur Kasse gebeten. „Das ist nicht zu verstehen und eigentlich ganz schön traurig“, meint Katy Walther, deren Sohn die zehnte Klasse besucht.

Auch der Landkreis hat nachgemessen. Und nach seiner Rechnung liegen zwischen Dargun und Zarnekow weniger als vier Kilometer. Da könne man den Kindern ab der 7. Klasse schon zumuten, dass sie zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, es sei denn, der Schulweg werde als „besonders gefährlich“ eingestuft, weil er etwa entlang einer Bundes-, Landes- bzw. Kreisstraße ohne Geh- und Radweg entlang führt. „Mit der Fertigstellung des Radweges von Zarnekow nach Dargun ist dieses Kriterium nun entfallen und es wurde eine erneute Prüfung vorgenommen“, erklärt Kreissprecherin Annett Thurm. Auf Diskussionen, ob die Schule nun in 3,9 oder vielleicht doch in 4,1 Kilometer Entfernung liegt, will sich der Landkreis offenbar gar nicht erst einlassen.

Doch ganz so einfach wird es wohl nicht. „Wir sind dabei, eine Eltern-Initiative zu gründen“, berichtete Schulleiterin Madlen Frankowiak-Gläßer in dieser Woche in der Stadtvertretersitzung. „Ich finde es unverantwortlich, was der Landkreis hier macht. Die Wege sind unbeleuchtet, das geht doch nicht.“ Die Schulleiterin sieht im Vorgehen des Landkreises eine Benachteiligung der Kinder im ländlichen Raum. Und sie legt nach: „Der Landkreis veranstaltet ein großes Sommerfest im Schloss Dargun. Das Geld dafür sollte besser für die Schülerbeförderung ausgegeben werden. Ich habe dafür kein Verständnis.“

Kommentare (1)

Man sollte nicht vergessen Deutschland ist ein armes Land und ein Entwicklungsland was gleiche Bildungschancen betrifft. Seien wir also froh, dass Deutschland überhaupt Schulunterricht anbietet. Da ist ein Fuss- und Radweg, der unbeleuchtet und im Winter kaum von Eis und Schnee beräumt, eine nette Geste des Landkreises.