Betrug im Namen der Kinder:

Krimineller Kaufrausch endet vor dem Richter

Nur zu leicht konnten ein 28-jähriger Mann und eine 25-jährige Frau aus der Nähe von Stavenhagen im Netz Spielzeug shoppen ohne zu zahlen. Für ihr betrügerisches Vorgehen mussten sie sich jetzt vor Gericht verantworten.

Für betrügerische Spielzeugkäufe musste ein junges Elternpaar sich jetzt vor dem Demminer Amtsgericht verantworten.
Frank Rumpenhorst Für betrügerische Spielzeugkäufe musste ein junges Elternpaar sich jetzt vor dem Demminer Amtsgericht verantworten.

Die Verlockung war groß. Als Lenny W.* und Carolin P.* im Internet surften, stand ihnen alle Welt im Spielzeugland offen. Ein Klick und sie haben zugeschlagen. Aber bezahlt, das haben sie nicht. Schlimmer noch, sie bestellten Ware unter falschem Namen. Nun sitzen die beiden jungen Leute aus einem Dorf bei Stavenhagen auf der Anklagebank des Demminer Amtsgerichts und müssen sich wegen Betrugs verantworten.

Von November bis Dezember 2012 sollen sie dreimal diverses Lego-Spielzeug im Internet für insgesamt rund 400 Euro gekauft haben. Das Paar gibt alles zu. „Ich wollte eigentlich bezahlen“, redet sich Lenny W. heraus. Die Rechnungen kamen, wurden weggelegt und er habe immer weitergemacht. „Das war Blödsinn“, weiß er heute und zuckt ungläubig mit den Schultern. „Wir haben uns so gefreut, als die Kinder damit gespielt haben“, fügt seine Freundin naiv hinzu. Offenbar haben beide nicht weiter nachgedacht. Es war leicht, an die Ware zu kommen. Einmal hat es funktioniert, dann noch einmal, dann wird es auch ein drittes Mal funktionieren. Der Konsumrausch schaltete offenbar alle Sinne aus.

Paar war bereits verschuldet

Warum aber erfolgte die Bestellung unter falschem Namen? Das fragt sich Richter Jörg Blasinski. Schulden hätten sie dazu verleitet, meint Lenny W. „Ich habe damit gerechnet, dass ich auf meinem Namen nichts kriegen würde“, sagt der 28-Jährige. „Wir stehen beide in der Schufa“, erklärt Carolin P. Deshalb dachten sie sich Namen aus. „Eine dumme Sache“, meint der Richter. Bisher hatte sich das Paar noch nie etwas zuschulden kommen lassen.

Eigentlich habe nur er vor dem Computer gesessen und die Waren ausgesucht, sagt Lenny W. „Ich habe noch gesagt, dass das nichts für die Kinder wäre, weil sie zu klein sind. Sie konnten damit noch gar nicht wirklich spielen“, erinnert sich seine 25-jährige Freundin. Heute sind die Kinder 5 und 3 Jahre alt.

Vater holt für Familie das Eisen aus dem Feuer

Lenny W. nimmt jetzt alle Schuld auf sich. Richter und Staatsanwältin nehmen den Vorwurf des gemeinschaftlichen Betruges zurück und stellen das Verfahren gegen Carolin P. ein. „Ich glaube, Sie waren ehrlich“, begründet Blasinski. Nun sitzt Lenny W. allein auf der Anklagebank.

Bis heute soll das Spielzeug noch nicht bezahlt sein. Das macht die Staatsanwältin sauer. „Die Summe muss bezahlt werden, wenn jemand etwas bestellt, das ist doch klar“, sagt sie. Für sie steht fest, das Lenny W. Legobausteine bestellt hat, obwohl er von vornherein wusste, dass er die nicht bezahlen kann. Sie fordert deshalb eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 10 Euro. Richter Jörg Blasinski geht da in seinem Urteil da mit. Familiär gesehen habe Lenny W. für seine Freundin das Eisen aus dem Feuer geholt, meint er und weist den Angeklagten darauf hin, dass er die Geldstrafe abarbeiten darf. Das will der 28-Jährige nun machen. Das Urteil ist rechtskräftig. (Name geändert)

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung