Denkmal:

Malchins verrückteste Wohnung

Im Malchiner Wasserturm ist am Wochenende für Nils Holger Thiel wohl der Traum seines Lebens wahr geworden.

Einzug ins neue Heim: Nils Holger Thiel und seine beiden Töchter wohnen seit dem Wochenende im Malchiner Wasserturm. Mehrere Jahre hat der Umbau gedauert.
Torsten Bengelsdorf Einzug ins neue Heim: Nils Holger Thiel und seine beiden Töchter wohnen seit dem Wochenende im Malchiner Wasserturm. Mehrere Jahre hat der Umbau gedauert.

Passt die Couch denn nun in den Aufzug oder lässt sie sich doch eher über die Wendeltreppe nach oben tragen? Das war alles andere als ein gewöhnlicher Umzug, den Nils Holger Thiel am Wochenende mit seinen beiden Töchtern und einer Reihe von Freunden bewerkstelligte. Nur gut, dass nicht all zu viel Mobiliar aus seiner bisherigen Plattenbau-Wohnungzur neuen Adresse geschleppt werden musste. Nein, mit Worten könne er es gar nicht beschreiben, was das für ein Tag für ihn ist, sagt der 48-Jährige über den Einzug in sein neues Zuhause. „Für mich geht hier wirklich ein Traum in Erfüllung.“

Vom Wahrzeichen zum Wohnraum

Obwohl das Bauwerk seit mittlerweile 112 Jahren zu den Wahrzeichen der Stadt Malchin gehört – gewohnt hat in dem alten Turm noch nie jemand. Das wäre wohl früher auch ein bisschen eng gewesen. Denn bis vor wenigen Jahren füllte – ganz dem ursprünglichen Zweck entsprechend – noch ein riesiger Wasserkessel das
25 Meter hohe Gebäude aus.

Der Stahlkoloss ist längst in Einzelteile zerlegt und entfernt worden, stattdessen teilen nun sechs Zwischendecken aus Stahlbeton das Innere des Turms auf. Mit Erdgeschoss hat Thiels neue Wohnung damit gleich sieben Zimmer - auf jeder Etage eines.

Jede Menge Handarbeit

Als der gelernte Schlosser im Jahr 2006 der Stadt Malchin den denkmalgeschützten Wasserturm abkaufte, hatten viele zunächst nicht daran geglaubt, dass er hier seinen Traum vom Wohnen wahr machen könnte. „Es ist auch alles sehr schwierig gewesen, doch wenn man zwei-, dreimal nachdenkt, dann findet man immer eine Lösung“, sagt Thiel, der am Malchiner Bahnhof eine Holzwerkstatt betreibt.

Die Zwischendecken, 54 Fenster, die 115 Stufen zählende Wendeltreppe – fast alles hat er selbst angefertigt. Natürlich auch das riesige Drehbett in der obersten Etage. Doch wozu braucht man ein drehbares Bett? Das könne er immer so ausrichten, dass er entweder den Sonnen-Aufgang hinter der Stadtsilhouette im Osten oder das Abendrot in der Hügellandschaft miterleben kann, antwortet Thiel.

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