Zoff um Garagen:

Mieter fühlen sich enteignet

Ein Ehepaar ist empört über die Art und Weise, mit der die Stavenhagener Wohnungsgenossenschaft sich die Garagen des Neubaublocks am Markt angeeignet hat. Der Vermieter fühlt sich aber im Recht.

Für die Garage, die einmal ihr und ihrem Mann Günter gehörte, verlangt die Wohnungsgenossenschaft inzwischen Miete von Anneliese Tosch.
Eckhard Kruse Für die Garage, die einmal ihr und ihrem Mann Günter gehörte, verlangt die Wohnungsgenossenschaft inzwischen Miete von Anneliese Tosch.

Mehrere Mieter der Stavenhagener Wohnungsgenossenschaft fühlen sich vom eigenen Vermieter enteignet. Dabei geht es um die neun Garagen, die auf dem Hof des Wohnblocks Markt 10 bis 13 stehen. Obwohl Anneliese und Günter Tosch schon seit 1970 in dem Haus leben und sich bis dato sehr wohl fühlten, sind sie überhaupt nicht glücklich, dass die Wohnungsgenossenschaft ihnen ihr Leben im Rentenalter noch so vermiesen kann.

Dem Ehepaar erging es da nicht anders als den acht anderen Garagenbesitzern. Sie waren Eigentümer einer Garage auf dem Hof. Der Boden darunter gehörte – wie zu DDR-Zeiten oft – jemand anderem. In diesem Falle der Wohnungsgenossenschaft Stavenhagen mit dem Vorstandsvorsitzenden Rainer Plötz und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Erich Degner.

Vertrag auf Lebenszeit gekündigt

Dass Boden und Gebäude einmal zusammengeführt werden, dafür sorgt das Schuldrechtsanpassungsgesetz. Das ist für das Ehepaar Tosch auch nicht der Streitpunkt. „Wir erhielten jedoch im Jahr 2010 einen neuen Vertrag“, berichtet Anneliese Tosch. Danach seien sie Eigentümer des Garagen-Gebäudes. „Dieser Vertrag sollte gelten, solange wir Mieter der Wohnung sind.“ Er hätte also spätestens mit dem Tod der Mieter geendet.

Doch statt die Verträge auslaufen zu lassen, lud die Wohnungsgenossenschaft die Eigentümer zu einem Gespräch ein, kündigte die Pachtverträge, übernahm die Garagen in ihr Eigentum und bot den bisherigen Besitzern einen Mietvertrag an. „Wir sollen 15 Euro im Monat bezahlen“, ärgert sich Günter Tosch.

Mieter haben durch Druck unterschrieben

Durch den Druck aus der Genossenschaft hätten die meisten den Vertrag unterschrieben. Zuletzt auch das Ehepaar Tosch. Denn es hat im Ruhestand keine Lust auf ein Gerichtsverfahren. Dabei hatte es vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer den Rat bekommen, auf jeden Fall Widerspruch einzulegen. „Das Recht ist auf unserer Seite“, ist sich Frau Tosch sicher. Bei zwei Garageneigentümern hätte die Genossenschaft laut Gesetz auch gar nicht kündigen dürfen.

Vermutlich hätte auch das Ehepaar Tosch Widerspruch eingelegt. Doch dann kam im Frühjahr das demolierte Garagendach hinzu. Unbemerkt war nämlich bei der Birkenfällung am Boulevard ein dicker Ast in das Garagendach gekracht. Doch die Baufirma, die den Schaden verursacht hat, wollte kein komplettes Dach zahlen. Da hätten die Garagenbesitzer jeweils 700 Euro beisteuern müssen. Das war sicherlich ein weiterer Grund, warum einige Garageneigentümer ihren Widerstand aufgegeben haben.

Entschädigung Fehlanzeige

Rainer Plötz, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, kann den Ärger der Familie Tosch menschlich nachvollziehen. Er sieht die Genossenschaft aber dennoch im Recht. Denn die Genossenschaft habe Garagen und Boden zusammen führen müssen. „Wir haben jetzt gesagt, wir machen einen Schnitt.“

Plötz erläutert warum: Die Genossenschaft habe über Jahre viele Kosten mit den Garagen gehabt. Die Genossenschaft baute unter anderem für die Garagen eine Entwässerung samt Pflaster für insgesamt 15 000 Euro. Denn Teile des Grundstücks vom Café am Markt hätten öfter unter Wasser gestanden. Und auch die Kosten für die Dacherneuerung in Höhe von 8000 Euro habe die Genossenschaft gezahlt.

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