Fachkräfte-Mangel:

Mit Facharbeiterbrief vorerst doch auf dem Wartegleis

Als scheinheilig empfinden zwei Frauen die Klagen über den Fachkräftemangel in der Gastronomie. Beide haben  dieser Tage ihre Facharbeiterprüfung erfolgreich bestanden. Ihre Aussichten auf einen Job bewerten sie allerdings skeptisch.

Vertauschte Rollen: Zur Verabschiedung bedient Roland Holtz die frisch gebackenen Facharbeiterinnen Martina Schildt (links) und Manuela Krüger.
Eberhard Rogmann Vertauschte Rollen: Zur Verabschiedung bedient Roland Holtz die frisch gebackenen Facharbeiterinnen Martina Schildt (links) und Manuela Krüger.

Geschafft. Die Freude steht Martina Schildt ins Gesicht geschrieben. In den Händen hält sie ihr Facharbeiterzeugnis. Fünfzehn Monate hat sie auf dieses Ziel hingearbeitet. Im Berufsbildungszentrum Start in Teterow hatte sie anfänglich  manch befremdliche Blicke ihrer um zwanzig Jahre jüngeren Mitschüler auf sich gezogen. Das hat die mittlerweile fünfzigjährige Teterowerin nur bestärkt in ihrem Willen. Gab es auch Momente, da manches nicht so lief, wie es sollte, rief sich Martina Schildt ein Sprichwort ins Gedächtnis: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man auf, treibt man zurück.“ Zurücktreiben ließ sie sich nie.

Gemeinsam mit Manuela Krüger hat sie jetzt vor der Jury ihre Prüfung abgelegt. Ein Grund für Roland Holtz, Leiter der Außenstelle Teterow des Bildungszentrums, beide Frauen in einer gemütlichen Runde zu verabschieden. Da tauscht der Chef auch mal die Rollen und schenkt den frisch gebackenen Fachkräften persönlich den Kaffee ein. „Frau Schildt zeigt eindrucksvoll, dass es mit einem festen Willen und Unterstützung unserer Einrichtung gelingen kann, Bildungsabschlüsse den veränderten Bedingungen am Arbeitsmarkt anzupassen“, betont Roland Holtz. Er verweist darauf, dass gegenwärtig 15 Frauen und Männer durch Unterstützung des Bildungsträgers eine Arbeit aufnehmen konnten.

Und wie steht es um die Perspektiven für Martina Schildt und Manuela Krüger? Da trübt sich doch das Lächeln auf den Gesichtern. „Wir arbeiten dran“, sagt Frau Schildt. Doch sehr zuversichtlich klingt das nicht.

Offener spricht ihre Nachbarin die Probleme an. „Wenn ich angebe, dass ich ein zweijähriges Kind habe, ist die Klappe gefallen. Ich habe bisher nur Ablehnungen auf meine Bewerbungen erhalten.“

0Die Ratlosigkeit in der Runde ist greifbar. Dabei klagt die Gastronomie seit Monaten, es fehle allenthalben an Fachkräften. „Ja, es gibt eine Reihe von Unternehmern, die haben die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt“, räumt Lars Schwarz ein. Er weiß, wovon er spricht, denn er betreibt in Gnoien die Gaststätte „Nudeloper“ und ist Mitglied des Branchenverbandes DeHoGa. Natürlich seien Eltern kleiner Kinder nicht so flexibel einsetzbar wie ungebundene Arbeitskräfte ohne familiäre Verpflichtungen. Doch das verfügbare Kontingent Letztgenannter sei oft ausgeschöpft. Die Branche komme nicht umhin, Lösungen zu finden, die familienvertäglich funktionieren. Bei gutem Willen auf beiden Seiten gehe das, versichert Schwarz. Er selbst erwarte im Oktober eine junge Mutter aus der Elternzeit. „Wir haben uns längerfristig darum gekümmert und gemeinsam eine individuelle Lösung angeschoben.“