So soff die DDR:

Mysteriöser Schnaps-Fund auf dem Dachboden

Hochprozentiger Fund in Grammentin: Bei Sanierungsarbeiten sind 23 noch ungeöffnete Flaschen aufgetaucht - gefüllt mit fast allem, was die DDR an Fusel hervorgebracht hat. Doch warum die Buddeln hier über Jahrzehnte versteckt waren, ist ein Rätsel.

23 Schnapsflaschen aus der volkseigenen DDR-Produktion lagen über Jahrzehnte gut versteckt auf einem Grammentiner Dachboden.
Rainer Steffens/noberthos-Fotolia.com 23 Schnapsflaschen aus der volkseigenen DDR-Produktion lagen über Jahrzehnte gut versteckt auf einem Grammentiner Dachboden.

Es sollte unbedingt ein Haus in Mecklenburg-Vorpommern sein. Christine Mielenz-Horn und ihr Lebensgefährte kommen seit vielen Jahren aus einer kleinen Ortschaft im Landkreis Cuxhaven zum Urlaub hierher. „Die Landschaft hat uns derart verzaubert, dass wir uns entschlossen haben, hier in der Region ein Haus zu kaufen, das wir nach der Sanierung erst einmal vermieten wollen“, berichtet Christine Mielenz-Horn. Fündig wurden die beiden in Grammentin. Seit Oktober des vergangenen Jahres werkeln sie nun an ihrem neuen Besitz. „Jedes Wochenende kommen wir nach Grammentin, um an dem Haus zu arbeiten.“ Im Januar war jetzt der Dachboden dran. Und da passierte ist. Beim Reinigen machten die beiden Hausbesitzer einen zunächst ziemlich unscheinbaren Fund: Ein paar Flaschen lagen unter den Bodenbrettern. Aber was für welche! An gleich drei Stellen kamen insgesamt 23 Flaschen zum Vorschein – alle ungeöffnet mit verschiedenen Sorten Alkohol aus DDR-Produktion. „Sie lagen dort wohl schon mehrere Jahrzehnte, wie die alten Etiketten vermuten lassen. Die Flaschen sind zwar noch alle original verschlossen und ungeöffnet, doch aufgrund der langen Lagerung teilweise trotzdem nicht mehr ganz voll“, erzählt Frau Mielenz-Horn.

Was sie da an Schnapsbuddeln entdeckt hat, liest sich wie die Getränkekarte der bis 1989 real existierenden DDR-Spirituosen-Produktion. Ein paar Beispiele: Goldbrand, die 0,35-Liter-Flasche für 7,55 Mark aus dem Volkseigenen Betrieb (VEB) Getränkekombinat Neubrandenburg. Aus dem gleichen Unternehmen stammt die Weinbrand Stamm-Marke, 0,7 Liter für 22 Mark. Dann gab es den „Echten Nordhäuser Doppelkorn“ auch bereits im Sozialismus zu trinken. Er kam für 17,60 Mark die 0,7 Liter Flasche aus dem VEB Nordbrand Nordhausen. Der teuerste Schnaps der DDR-Planwirtschaft aus der Grammentiner Sammlung ist der Weinbrand Edel aus dem VEB Grunebeck für immerhin 27 DDR-Mark. Der Edellikör „Schwarze Johanna“ trägt dagegen keinen Preis-Aufdruck.

Zu gern würden Christine Mielenz-Horn und ihr Lebensgefährte jetzt wissen, wie lange die Flaschen wohl unter den Brettern lagen, bis wann die volkseigene Alkohol-Produktion noch lief und was aus den damaligen Kombinaten geworden ist. Gibt es sie eventuell heute noch?

Vor wem und warum die 23 Schnapspullen vor vielen Jahren einmal auf dem Grammentiner Dachboden versteckt worden sind, lässt sich wohl nicht mehr klären. Der ehemalige Hausbesitzer ist bereits verstorben.

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Kommentare (1)

ich finde, das diese Sachen in einem Museum oder in einer Sammlung von DDR-Alltagssachen gehören. Einige Flaschen werde im Internet-Auktionshaus nicht unter 35,-€ angeboten. Das ist eine richtige Wertanlage. Ich weiß wovon ich schreibe, da ich selber in Magdeburg eine DDR-Sammlung von Alltagssachen habe. Auf ca. 150 qm habe ich mir ein kleines Museum auch mit einen KONSUM eingerichtet. Schön dass ich einige Sachen auf dem Foto wieder sehen durfte LG Wolfgang Cleve