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Niedergemähte Bambis bringen Jäger in Rage

VonEberhard RogmannWerden zwischen Teterow und Gnoien auffallend viele Rehkitze Opfer von Mähmaschinen? Ein Waidmann erhebt schwere Vorwürfe.Remlin.Laika ...

Keine Chance hat das Kitz gegenüber einer anrollenden Mähmaschine. Sein Instinkt sagt ihm „ducken“ – ein tödliches Verhängnis.  FOTO: Eberhard Rogmann

VonEberhard Rogmann

Werden zwischen Teterow und Gnoien auffallend viele Rehkitze Opfer von Mähmaschinen? Ein Waidmann erhebt schwere Vorwürfe.

Remlin.Laika vom schwarzen Diamanten blickt zweifelnd auf das tote Kitz. Es scheint als früge die Hündin: Das soll es nun gewesen sein? Beutetiere aufzuspüren ist ihr Job. Doch ein so mickriges Kitz? Rüdiger Schmidt lobt seinen Jagdhund. Genau dies hatte der Jäger erwartet. Das heißt, eigentlich war er auf die Wiese bei Lüchow gekommen, um Vorkehrung zu treffen, dass beim Mähen eben keine Kitze getötet werden. „Das passiert schnell. Die Kitze fliehen nicht, sondern ducken sich reglos in die Mulde. Deshalb ist es üblich, dass, bevor die Maschinen auf den Schlag gehen, am Vortag ein Streifen am Rand freigeschnitten wird. Sodann kann man die Rehe vergrämen“, erläutert der Weidmann. Der Aufwand ist nicht groß. Man schlägt Pfähle ein und bindet blaue Tüten daran. Die Ricke führt ihr Kitz aus dem Areal in Sicherheit vor dem tödlichen Schneidwerk.
Hier kam der Jäger zu spät und das macht ihn wütend. Rüdiger Schmidt verständigt die Polizei. Er erstattet Anzeige. In seinen Augen liegt ein Verstoß gegen das Jagdgesetz vor. Zumal er erst Tage zuvor Kontakt mit dem Landwirtschaftsbetrieb Schwasdorf aufgenommen hatte. „Es wäre ein Leichtes gewesen, mich einen Tag vorher zu informieren. Aber dort schert man sich offenbar nicht um Vorschriften.“ Diesen Vorwurf begründet Schmidt damit, dass es gerade auf den Flächen der Schwasdorfer Firma immer wieder gemäht werde, ohne ihn zu verständigen. Viele Kitze mussten so ihr Leben lassen. In den letzten Jahren habe sich der Bestand an Rehwild in seinem Revier auf ein Viertel verringert.
Dirk Maschmüller, Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs Schwasdorf und selbst Jäger, kann über diesen Bestandsschwund nur den Kopf schütteln. „Das ist eine Behauptung. Aber mit Sicherheit geht das nicht auf unsere Grasmahd zurück. Es ist bedauerlich, wenn Kitze dabei zu Tode kommen, aber es passiert. Ich habe Herrn Schmidt deshalb extra die Handynummer unseres Mitarbeiters gegeben, der mit den Mäharbeiten beauftragt ist.“ Ihm sei unverständlich, dass der Jäger davon keinen Gebrauch machte. Dessen Äußerung, der Betrieb würde für die extensive Graslandbewirtschaftung auch noch extra Fördermittel für den Umweltschutz abfassen, weist Maschmüller als falsch zurück. Er behalte sich vor, gegebenenfalls das Pachtverhältnis zu beenden.

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e.rogmann@nordkurier.de