Retter hadern mit Leitstelle:

Wehrführer bricht das verordnete Schweigen

Die Irrfahrt der Neukalener Feuerwehr in dieser Woche war wohl kein Einzelfall. Das Verhältnis der Wehren zur Rettungsleitstelle in Neubrandenburg ist angespannt.

Es kracht zwischen den Rettern und der Leitstelle. Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute fühlen sich schlecht behandelt. Foto: T. Bengelsdorf/Montage: T. Bachmann
NK-Bildmontage mit Foto T. Bengelsdorf Es kracht zwischen den Rettern und der Leitstelle. Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute fühlen sich schlecht behandelt. Foto: T. Bengelsdorf/Montage: T. Bachmann

Die Order ist klar: Probleme zwischen Feuerwehren und der Rettungsleitstelle Neubrandenburg werden nicht in die Öffentlichkeit getragen. Schon gar nicht in die Presse. Nach der Irrfahrt der Neukalener Feuerwehr in dieser Woche lässt es sich aber nicht mehr verheimlichen. Es knirscht gewaltig zwischen den Kameraden und der Leitstelle. Wegen Verständigungsproblemen waren die Neukalener in dieser Woche zunächst in drei falsche Richtungen ausgerückt, bevor sie den Unfallort fanden. Zum Glück gab es bei dem Unfall keine Verletzten, die auf Rettung hätten warten müssen.

Auch deshalb: Der Vorfall wird wohl kaum Konsequenzen haben, schätzt jetzt jemand ein, der es wissen muss. „Die Leitstelle wird beweisen, dass sie alles richtig gemacht hat. Und das war es dann“, sagt Malchins Wehrführer Andreas Mohrholz. Das klingt nicht gerade nach einem sehr herzlichen Verhältnis. Das gibt es offenbar auch gar nicht. Die Irrfahrt am Dienstagabend war kein Einzelfall, das hatte Neukalens Wehrführer Rico Zoschke bereits bestätigt. Er will jetzt einen saftigen Beschwerdebrief schreiben. Ob das was nützt, ist fraglich. Gemeinsame Gespräche, um solche Vorfälle auszuwerten, gebe es nämlich nicht, berichtet Andreas Mohrholz. „Das endet immer in gegenseitigen Vorwürfen.“

Ärger über unnötige Alarmierungen

Retter und Leitstelle können also nicht miteinander? Warum das denn? Mohrholz sieht das Grundübel in einem angespannten Verhältnis zwischen der Berufsfeuerwehr und den freiwilligen Kameraden. Wenn dann die Leitstelle bei ihren Alarmierungen auch bei den Freiwilligen die Maßstäbe einer Berufswehr ansetzt, ist der Ärger programmiert. Der Ton im Funkverkehr sei rau geworden.

Die freiwilligen Retter würden sich aber auch ärgern, weil sie häufiger alarmiert werden als nötig. Der Einsatz in Neukalen habe sich nach Einschätzung von Rico Zoschke zum Beispiel als überflüssig herausgestellt. Das konnte man vorher natürlich nicht wissen. „Dass bei sehr häufigen Alarmierungen die Kameraden auch schnell Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen, wird kaum beachtet“, klagt Andreas Mohrholz.

Feuerwehr-Chef fühlt sich ausgebrannt

Bleibt die Frage, warum sich Andreas Mohrholz nicht mehr an die Order hält, über die Probleme zu schweigen. Ganz einfach: Malchins Wehrführer will seinen Posten nach zwölf Jahren abgeben. Auf der Jahreshauptversammlung am 27. Februar werde er nicht wieder kandidieren, kündigte Mohrholz am Freitag gegenüber dem Nordkurier an.

Grund sind allerdings weniger die Probleme mit der Leitstelle. „Ich habe einfach ein Feuerwehr-Burnout und fühle mich inzwischen ausgebrannt“, sagt Malchins Noch-Wehrführer. Mitglied in der Feuerwehr will der 53-Jährige auf jeden Fall bleiben. Ein Nachfolger als Wehrführer steht schon bereit. Mohrholz Stellvertreter René Giese will am
27. Februar kandidieren.

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