Kinder missbraucht:

Sextäter ist wieder auf freiem Fuß

Zweieinhalb Jahre Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern lautete das Urteil im Januar gegen einen Gnoiener Ex-Trainer. Der Mann ist aber längst wieder draußen.

Hier ist es passiert: Im Sportheim des SV-Gnoien hat sich der Trainer an Kindern vergriffen.
Archiv Hier ist es passiert: Im Sportheim des SV-Gnoien hat sich der Trainer an Kindern vergriffen.

In der kleinen Warbelstadt blieb es nicht lange verborgen: Der im Januar wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilte ehemalige Fußballtrainer des Gnoiener Sportvereins läuft schon wieder frei herum. Und das, obwohl ihn das Amtsgericht Güstrow doch für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis geschickt hatte. Der heute 73-Jährige hatte seit dem Jahr 2011 einen minderjährigen Jungen mehrfach sexuell missbraucht. Im Herbst des vergangenen Jahres war der Mann erwischt worden, als er einen 14-jährigen Jungen im Sportlerheim belästigte. Der Chef des Gnoiener SV erstattete daraufhin sofort Strafanzeige. Wie kann es sein, dass der Pädophile trotz Gefängnisstrafe wieder zu Hause ist?

„Das Landgericht Rostock hat den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Damit ist er im Moment ein freier Mann“, erklärt Holger Schütt von der Rostocker Staatsanwaltschaft. Sowohl Anklagebehörde als auch die Verteidigung waren mit dem Urteil nicht einverstanden und gingen in Berufung. Die Staatsanwaltschaft hatte den Ex-Trainer für fünf Vergehen an Kindern angeklagt, für vier ist er aber nur verurteilt worden. Dass es für den fünften Fall einen Freispruch gab, will die Staatsanwaltschaft nicht akzeptieren. Folgt das Landgericht bei der Berufungsverhandlung dieser Ansicht, könnte der Gnoiener noch mehr als zweieinhalb Jahre bekommen.

Ganz anders sieht die Verteidigung den Fall. „Ich will erreichen, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird“, sagt Rechtsanwältin Verina Speckin. Dazu müsste das Landgericht das Urteil auf zwei Jahre Gefängnis abmildern. Für alle Strafen, die darüber hinaus gehen, ist eine Bewährung nicht möglich.

Im Sportverein war der ehemalige Trainer und Platzwart bis zum vergangenen Jahr hoch geschätzt. Sogar Ehrenmitglied durfte er werden, obwohl seine „Neigung zu kleinen Jungs“, wie im Verein getuschelt wurde, längst bekannt war. Das Training mit Kindermannschaften war ihm deshalb auch bereits verboten worden, die Ehrenmitgliedschaft ist ihm inzwischen aberkannt worden. SV-Vorsitzender Ottmar Schug plädiert inzwischen für eine harte Strafe. Bewährung dürfe es auf keinen Fall geben. „Dafür ist zu viel vorgefallen. Eine ganz abscheuliche Geschichte ist das“, meinte Schug im Januar.

Der 73-Jährige muss sich nach Auskunft der Staatsanwaltschaft derzeit an strenge Auflagen halten. Dazu zählen regelmäßige Meldungen bei der Polizei, aber auch ein Kontaktverbot mit Kindern und Jugendlichen. In der kommenden Woche wird das Landgericht Rostock den Fall noch einmal aufrollen und über die Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beraten. Dann wird sich zeigen, ob der ehemalige Trainer wieder ins Gefängnis muss.

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