Medizinische Versorgung:

Syrische Ärzte sind jetzt Teterows Trumpf

Eine große Zahl von Asylbewerbern wartet auf die gesetzlich vorgeschriebene Aufnahmeuntersuchung. Einmal die Woche ist für sie Sprechstunde im Teterower Krankenhaus. Mit Medizinern aus Syrien geht hier vieles schneller und einfacher und doch gibt es da ein Problem.

Salime Muhmode aus Mauretanien lässt sich von Matthias Lutze und Fares Abdala im Teterower Krankenhaus durchchecken. Die ganzen Verletzungen? – „Nur Kratzer.“
S. Voß Salime Muhmode aus Mauretanien lässt sich von Matthias Lutze und Fares Abdala im Teterower Krankenhaus durchchecken. Die ganzen Verletzungen? – „Nur Kratzer.“

Zahnschmerzen, Verdacht auf stressbedingte Magengeschwüre und Virusinfektionen, „wie wir sie alle haben“ – das sind die gravierendsten Diagnosen, die die Flüchtlinge bislang in Teterow bekommen haben. „Schlimme Erkrankungen wie Tbc haben wir noch nicht festgestellt. Der größte Teil ist relativ fit“, erläutert der Ärztliche Direktor Matthias Lutze bei den derzeit wöchentlichen Erstuntersuchungen der Asylbewerber im Krankenhaus.

„Gold wert“ ist für alle dabei, dass die Einrichtung in diesem Jahr ohnehin drei syrische Ärzte eingestellt hat, schon als der große Flüchtlingsstrom noch gar nicht aktuell war. Fares Abdala zum Beispiel. Der junge Mann spricht nicht nur arabisch, sondern auch fließend deutsch und russisch, weil er in Russland studiert hat. „Vielen ist auch sehr geholfen, wenn man sie gleich in ihrer Muttersprache empfängt“, hat Abdala in Teterow, seinem neuen Arbeits- und Wohnort, erlebt. Weil Fachbegriffe auch auf arabisch erklärt werden können, spart sich Lutze umständliches Gestikulieren. Und die gesetzlich vorgeschriebene Erstuntersuchung samt Impfung geht sehr viel schneller. Schließlich muss auch diese zusätzliche Aufgabe bewältigt werden, derweil der „normale“ Krankenhausbetrieb mit derzeit nahezu ausgelasteten Betten weiterlaufen soll.

Kosten übernimmt das Land

Während der anfänglichen Zuwanderer-“Flut“ fanden wöchentlich sogar drei Erstuntersuchungen mit jeweils 30 Flüchtlingen statt. Doch das wäre auf Dauer personell nicht machbar. Noch schieße zudem das DRK-Krankenhaus die Untersuchungskosten vor. Wie aber Christian Moeller, Sprecher des zuständigen Sozialministeriums, auf Nachfrage informierte, übernimmt das Land die Kosten. Auch mit digitalen Gesundheits-Chipkarten sollen die Flüchtinge bald ausgestattet werden, vorausgesetzt, sie sind bereits registriert.

In dieser Woche warten 30 Flüchtlinge – vorwiegend Ukrainer – vor dem Sprechzimmer. Der Erste, ein ungefähr Zwanzigjähriger, hat schon einige Tage Husten, wie Abdala, der russisch mit ihm sprach, übersetzt. Blutdruck und Fieber werden gemessen, er wird abgehorcht und dann zum Lungenröntgen geschickt. Der Ukrainer weist seinen gelben Impfpass vor, den alle Flüchtlinge bekommen haben sollten. Der Untersuchungs-Schein, den Lutze dazu aushändigt, ist unabdingbar für das Asylverfahren – gleich, wie es ausgeht.

„Uns ist egal, wer hier reinkommt. Wir helfen jedem, der auf der staatlichen Liste steht“, verdeutlicht Lutze das ärztliche Neutralitätsprinzip.