Fehl-Start:

Viel Frust statt Lust auf den Job

Computerspiel als Alternative zum Bewerbungstraining? Für manche Teilnehmer an Bildungskursen ist das traurige Realität ihres Alltags. Steuerverschwendung, kritisieren einige diese Zustände.

dpa

Der Frust scheint den Redefluss von Willibald Eichwald (Name von der Redaktion geändert) zu befeuern. „Ich schreibe jetzt an das Ministerium. So kann das doch nicht weitergehen. Das ist Verschwendung von Steuermitteln. Von uns selbst mal ganz abgesehen“, kündigt er an. Willibald Eichwald sitzt auf Hartz-IV. Seit Jahren ist er arbeitslos. Er hangelt sich von einer Maßnahme zur nächsten. Seit April des Jahres habe das Jobcenter ihn in einen Kurs bei der Start GmbH gesteckt. Er zieht ein Papier aus dem Hefter, seinen Vertrag. Eichwald tippt auf die von ihm markierten Passagen. Da ist von „Heranführung an den Arbeitsmarkt“ die Rede, von „Aktivierung und Erweiterung des beruflichen Fachwissens“.

„Das klingt alles gut und wäre ja schön, wenn es denn an dem ist. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Da sitzen wir an zwei Tagen in der Woche vor dem Computer und sollen Bewerbungen schreiben, die Angebote der Job-Börse sichten. Das bringt doch alles nichts“, klagt der Langzeitarbeitslose. Mehr als zwanzig Bewerbungen für einen Praktikumsplatz habe er in sechs Wochen verschickt. Eine Woche arbeitete er dann auf einem Milchhof. Sein Schicksalsgefährte Walter Pappke kann über ähnliche Erfahrungen berichten. Er hat über den Bildungsträger einen Personenbeförderungsschein erworben. Sieben Tage war er dann auf Probe in einer Teterower Firma tätig, musste den Job aus gesundheitlichen Gründen aber  aufgeben. Danach sei er aufgefordert worden, zwei Tage wegen Nichtanwesenheit bei der Maßnahme nachzuholen. Wegen Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages habe sich das erledigt. „Doch Aufwand und Ergebnis stehen bei diesen Maßnahmen in keinem vertretbaren Verhältnis.“ Etliche Kursteilnehmer litten unter den Verhältnissen, berichten die beiden. Anderen sei schon alles egal. „Sie sitzen vor dem Computer und spielen. Tagein, tagaus. Finanziert vom Staat.“

Frustrierte Teilnehmer in Bildungsmaßnahmen sind für Roland Holtz nichts Außergewöhnliches. „Leider. Das hat in den Jahren zugenommen“, bekennt der heutige Leiter der Außenstelle Teterow der Start GmbH auf dem Koppelberg in Pampow. Derzeit, daraus macht er gar keinen Hehl, durchlebe die Einrichtung ein Tief. Die Erfolgsquote bei der Vermittlung sei ziemlich bescheiden.