Asylbewerberheim Jördenstorf:

Wand an Wand mit den Flüchtlingen

In den ersten Tagen der neuen Flüchtlingsunterkunft in Jördenstorf ist Kennenlernen angesagt. Asylbewerber und die Einheimischen "beschnuppern" sich. Und die Polizei hat ein wachsames Auge auf alles.

Mittlerweile wohnen mehr als 50 Flüchtlinge in Jördenstorf. Foto: Eckhard Kruse
Mittlerweile wohnen mehr als 50 Flüchtlinge in Jördenstorf. Foto: Eckhard Kruse

Die Autos der Teterower Polizei patroullieren jetzt öfter durch Jördenstorf. Nicht etwa, weil es dort viel zu tun gäbe. Aber es fällt auf, dass die Beamten immer wieder nach dem Rechten schauen. „Die Polizeipräsenz ist hoch, aber nicht bedrohlich“, sagt Bürgermeister Reinhard Engel. Die Polizisten wollen offenbar den Einheimischen als auch den Asylbewerbern ein Gefühl von Sicherheit geben. Sie müssen sich auch erst kennen lernen. Und mittlerweile sind es schon über 50 Flüchlinge, die in dem Dorf nördlich von Teterow einen Unterschlupf in einem Teil des Lehrlingswohnheims der Berufsschule gefunden haben. Noch in diesem Jahr sollen die Zahl auf 170 Asylbewerber steigen. Da ist es wichtig, dass alles in geordneten Bahnen läuft. „Momentan fallen die Asylbewerber auch nicht auf, weder positiv noch negativ“, so Engel. Er hofft sehr, dass auch keiner von ihnen auf dumme Gedanken kommt, wenn er in den nächsten Monaten oder gar Jahren allzu sehr von Langeweile geplagt wird.

Deswegen ist der Bürgermeister auch sehr froh über die vielen Angebote, die aus der Gemeinde und auch aus dem Umland kommen. „Der Deutschkurs läuft schon“, erzählt Engel. Den Unterricht gibt der ehemalige Teterower Regionalschulleiter Gerd Priepke. An zwei Tagen in der Woche in mehreren Stunden hintereinander. Angebote für Handarbeitskreise, Gesprächskreise gebe es. Sportvereine aus dem Umland dächten darüber nach, Sportler zum Training abzuholen. Möglicherweise gebe es Interessenten für die Bewirtschaftung eines Gartens. Das alles ist im Werden.

Vielen Spendenpakete kommen an

Der Leiter der Asylunterkunft, Günter Guretzki, ist nicht minder erstaunt. „Die Resonanz ist groß“, bekennt er. Jeden Tagen gingen neue Spendenpakete von Anwohnern ein. Sie brächten Bekleidung und Geschirr, aber auch Bettwäsche und Bettdecken in die Einrichtung. „Es melden sich aber auch viele Menschen, die auf sozialer Ebene mit dem Asylbewerbern zusammenarbeiten wollen“, erläutert Guretzki. Manch einer habe Interesse an einem sprachlichen Austausch. Andere helfen bei der Erledigung von ganz alltäglichen Sachen, um den Flüchtlingen den Start im Dorf zu erleichtern.

Noch wohnen die Berufsschüler Wand an Wand mit den Flüchtlingen. Doch zum Ende des Schuljahres in gut zwei Monaten wird auch dieses Kapitel der Jördenstorfer Geschichte zugeschlagen werden. Nämlich dann, wenn die Berufsschule nach über 35 Jahren seine Tore schließen wird. Dann verlassen auch die Azubis für immer ihre Zimmer. Die Sanierung kann beginnen, sodass bald die weiteren Flüchtlinge einziehen können.

Die Lehrlinge finden ihre Unterkunft ziemlich spartanisch. Sie sprechen von durchhängenden Betten und alten Schränken. Doch die Asylbewerber haben noch viel weniger Luxus, wie ein Blick in Flüchtlingszimmer beim Tag der offenen Tür zeigte.

Die Berufsschule brachte zwar keine Gewerbesteuer in das Dorf, so Bürgermeister Reinhard Engel. Aber mit ihrem Ende gehe dennoch etwas verloren im Dorf. Es sei mehr Leben hier gewesen. Der Bäckerladen habe auf alle Fälle davon profitiert. Was dem Bürgermeister und dem Dorf bleibt, sind aber die Regionale Schule und die Grundschule.