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Was geschah in Kützerhof?

Ein 13-Jähriger ist angeblich vom Projektil einer Luftdruckwaffe in den Rücken getroffen worden. Jetzt konnte die Polizei auch den Schützen vernehmen, der den Vorfall ganz anders darstellt. Eine Menge Fragen werfen allerdings beide Versionen auf.

Zum ehemaligen Gutshaus führt die Straße, auf der die beiden Jugendlichen angeblich unter Beschuss geraten sind.
NK-Montage mit Bildern von Torsten Bengelsdorf/Ingo Wagner Zum ehemaligen Gutshaus führt die Straße, auf der die beiden Jugendlichen angeblich unter Beschuss geraten sind.

Von den Kützerhofern lässt sich an diesem Vormittag erst einmal niemand blicken. Die meisten sind wohl ohnehin nicht zu Hause. Was so gar nicht in diese sommerliche Idylle passt, ist die Vorstellung darüber, was sich in dem etwa 70 Einwohner zählenden Dorf am Donnerstagnachmittag abgespielt haben soll. Mehrere Schüsse aus einer Luftdruckwaffe peitschten über die Dorfstraße – in Richtung eines 13-jährigen Jungen und eines 15-jährigen Mädchens, die mit einem Rasentraktor an einem Gehöft vorbei kamen. So beschreibt die Polizei den Vorfall. Der Junge zeigte den Beamten eine Platzwunde auf dem Rücken.

Die beiden Jugendlichen stammen aus dem pädagogischen Wohnprojekt, das der Kinder- und Jugendhilfeverbund Lübeck im ehemaligen Kützerhofer Gutshaus betreibt. Aus dem Wohnheim will sich niemand zu dem Vorfall am Donnerstagnachmittag äußern.

Ein anderer junger Mann ist da etwas gesprächiger. Er werkelt gerade auf dem Grundstück herum, auf dem er zusammen mit seinen Eltern wohnt. Ja, er sei der, der am Donnerstag geschossen habe, bestätigt der 21-Jährige. Aber eben nicht auf die beiden Jugendlichen. Stattdessen habe er auf Stare gezielt und auch abgedrückt, die sich in den Kirschbäumen bedienten. Dann seien die beiden Heimbewohner vorbei gekommen. Am Vortag habe er sie auch einmal mit der Luftdruckwaffe schießen lassen. Doch als sie nun erneut anlegen wollten, da habe er ihnen das verweigert. Wahrscheinlich hätten sie sich deshalb die Geschichte ausgedacht. Woher der 13-Jährige dann die Verletzung auf dem Rücken hat, wisse er nicht. Er habe seine Version inzwischen auch der Polizei zu Protokoll gegeben.

Welche Geschichte nun der Wahrheit am nächsten kommt, das versucht die Polizei jetzt herauszufinden. Gegen den jungen Mann wird wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Die Polizei hat mehrere Waffen erst einmal sichergestellt.