Fahrerin vor Gericht:

Was ist gerecht bei einem Todes-Unfall?

Zehn Monate nach einem tödlichen Unfall auf der B 110 bei Dargun hat das Amtsgericht Demmin sein Urteil über die damals angetrunkene Fahrerin gesprochen. Der Richter berücksichtigte, dass die Frau damals einen guten Bekannten verlor.

Ein Horrorbild bot sich nach dem Unfall unter Alkoholeinfluss auf der B 110 bei Dargun im November 2013. Der Beifahrer kam damals ums Leben.
Torsten Bengelsdorf Ein Horrorbild bot sich nach dem Unfall unter Alkoholeinfluss auf der B 110 bei Dargun im November 2013. Der Beifahrer kam damals ums Leben.

Diese Bilder haben die Kameraden der Darguner Feuerwehr bestimmt noch vor Augen: 30. November 2013  gegen 7 Uhr morgens auf der B 110 bei Dargun: Ein Auto, das kaum noch als solches zu erkennen ist, liegt in Höhe der Abfahrt Neubauhof mitten auf der Straße. Abgerissene Fahrzeugteile liegen verstreut herum, die Insassen sind eingeklemmt und müssen von der Feuerwehr aus dem völlig zerstörten Wagen befreit werden. Für den Beifahrer kommt aber jede Hilfe zu spät. Er stirbt noch an der Unfallstelle. Die Fahrerin und ein weiterer Mitfahrer kommen schwer verletzt in Krankenhäuser.

Was war passiert? Ganz offensichtlich war die Fahrerin mit dem Passat in der scharfen Linkskurve, die in Dargun als besonders gefährlich bekannt ist, von der Straße abgekommen. Ihr Auto stieß rechts gegen einen Baum, schleuderte auf die andere Straßenseite und prallte hier auf einen weiteren Baum. Es überschlug sich und kam auf dem Dach zum Stehen. Die junge Frau war nicht nur zu schnell unterwegs gewesen –
hier sind 70Km/h erlaubt –, die Polizei hatte später bei ihr auch einen Alkoholwert von 1,36 Promille festgestellt. Jetzt musste sie sich vor dem Demminer Amtsgericht wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten.

Vermeintlich kleine Ursache mit großer Wirkung

„Die Frau hat ihre Verantwortung für das schreckliche Geschehen nicht bestritten“, sagt Richter Jörg Langhof. Sie habe auch glaubhaft versichert, wie leid ihr dies tue. Aber es ist ein Mensch zu Tode gekommen. Vermeintlich kleine Ursache mit großer Wirkung, nennt der Richter dies. Viel zu oft seien doch Kraftfahrer mit Alkohol im Blut unterwegs.  Der Strafrahmen bei fahrlässiger Tötung reiche bis zu fünf Jahren oder könne auch eine Geldstrafe nach sich ziehen.

Kann man eine solche Tat gerecht bestrafen? „Welches Urteil ist da schon gerecht“, meint Jörg Langhof. Das sähen die Angehörigen des Toten sicher anders als andere. Er habe beim Strafmaß berücksichtigt, dass die Frau schließlich bei diesem Unfall auch einen Bekannten verloren hat. So wurde die Autofahrerin jetzt zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt ist. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre.

Richter Langhof setzt hinzu, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig sei. Da die Nebenklage aber keine Erklärung abgegeben habe, rechne er nicht mit einem Revisionsantrag. Außerdem wurde der Führerschein der Autofahrerin für acht Monate eingezogen und sie muss 400 Euro an die Verkehrswacht Malchin zahlen.

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