Markttreiben:

Zockt Stavenhagen fahrende Händler ab?

Der Handels- und Gewerbeverein ist ärgerlich, dass auswärtige Händler zum Landesschützenfest Gebühren am Boulevard zahlen mussten. Doch sind die Gebühren in der Stadt wirklich so hoch?

Sascha Berger meinte, dass er am Boulevard relativ wenig Standgebühr bezahlen musste. 9 Euro am Tag musste er für seinen Stand mit Käse und Wurst aus Österreich und Italien bezahlen. Foto: Eckhard Kruse
             
Eckhard Kruse Sascha Berger meinte, dass er am Boulevard relativ wenig Standgebühr bezahlen musste. 9 Euro am Tag musste er für seinen Stand mit Käse und Wurst aus Österreich und Italien bezahlen. Foto: Eckhard Kruse  

Die drei bis vier Stunden Anreise aus Leipzig stören Sascha Berger nicht im Mindesten. Käse und Wurst aus Österreich und der Schweiz verkaufte er zum Landesschützenfest am Stavenhagener Boulevard. Berger war einer von fünf Händlern, die sich auch von der unverhofften Standgebühr in der Malchiner Straße nicht abschrecken ließen. Andere waren wieder abgezogen, als sie davon hörten, dass an die Stadt 3,07 Euro je Quadratmeter und Tag zu zahlen sind. Schließlich hatte ihnen der Gewerbeverein anderes zugesagt.

Neun Euro am Tag musste Sascha Berger bezahlen. "Das ist relativ wenig", meinte er. Denn mitunter seien 300 bis 400 Euro für ein Wochenende zu bezahlen. Deswegen kann er die Einschätzung von Ursula Jonassen vom Gewerbeverein: "Das sind Preise wie am Potsdamer Platz" nicht teilen. Mit dem Umsatz ist er nur bedingt zufrieden. Genauso wie der Mutzen-Bäcker und der Seifen-Verkäufer Dirk Eggert von der Insel Usedom. Auch er war nicht auf die Standgebühr vorbereitet. "Die Städte müssen flexibler werden", meint er.

Die Händler, die ihre Waren am Montag auf dem Marktplatz verkauften, waren sehr unterschiedlicher Ansicht. Von "Potsdamer Platz" mochte aber keiner reden. "Es ist billig hier", sagte Heidemarie Schorbe aus Groß Roge. Etwas über 12 Euro muss die Frau zahlen, damit sie ihren Stand hier aufbauen darf. In Malchin, wo die Marktgilde die Märkte betreibt, sei es mit 15 Euro teurer. Auch in Malchow sei es mehr: Dort muss sie für einen halben Tag 8 Euro löhnen.

Nobert Semmler verkauft seine Waren schon seit 27 Jahren auf dem Markt. Er meinte, dass 15 Euro für ihn recht happig sind. In Gützkow zahle er 7,50 Euro und in Jarmen 12 Euro. Für Ulrich Frei, stellvertretender Vorsitzender der Gewerbevereins, ist es trotzdem ärgerlich, dass die Stände eine Gebühr zahlen sollten. Schließlich baue der Verein sich etwas auf und könnte da auch die Hilfe der Stadt gebrauchen.

Doch was beim Kinderfest ging, ging beim Landesschützenfest eben nicht, erläuterte Bauamtsleiter David Schacht noch einmal. Beim gebührenfreien Kinderfest im Juli hätten alle Händler gleiche Bedingungen gehabt. Beim Landesschützenfest mussten die Stände von Großmarkt Rostock aber eine erhebliche Summe zahlen.

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