 | | Joachim Witt; Bayreuth 3, Gumm Primadonna/Edel 2006 | Es gibt diesen Witz von dem Mann, der aus der Nervenklinik entlassen wird und klagt: „Bis gestern war ich Napoleon, heute bin ich ein Nichts.“ Von dem Goldenen Reiter, den Joachim Witt während der Neuen Deutschen Welle in die Anstalt „kurz vor den Mauern unserer Stadt“ geschickt hat, ist nicht verbürgt, was aus ihm geworden ist. Und wo sich Witt indes sieht, weiß er vielleicht nach Bayreuth 3 selbst nicht mehr. Bayreuth 1 und 2 bestachen noch durch sinntiefe Texte, die Klasse hatten, ergänzt durch die Zusammenarbeit mit hervorragenden Musikern. Mit dem jetzt erschienenen Album jedoch wird’s peinlich. Zwar hat Witt immer noch die Silly-Mannen Reznicek, Barton und Hassbecker um sich geschart, arbeitet auch mit anderen Stars wie Tilo Wolff von Lacrimosa zusammen. So stimmt es denn wenigstens musikalisch weiterhin. Die Elegien mit brechenden Gitarren-Riffs einfach, bewährt, gut, wenn auch schon mal anderswo gehört. Die bemerkenswerten Texte jedoch werden mit ihrer „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“-Technik dem Anspruch nicht gerecht. Weniger Wortakrobatik hätte gut getan. So erlebt man einen „Tiefenrausch“, der eher lau daherkommt. Die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht (Titel „Menschen“), bleibt somit unbeantwortet. oe
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