Ein Jahr in Paraguay:

"Wasser, das zum Wasser geht"

Sie unterrichtet Schüler mit Behinderungen und begeistert sie für Kunst und Musik. Seit Februar engagiert sich die Prenzlauerin Lisa Bethke ein Jahr lang als Freiwillige in Paraguay.

Seit Februar engagiert sich die Prenzlauerin Lisa Bethke ein Jahr lang als Freiwillige in Paraguay.
VoluNation Seit Februar engagiert sich die Prenzlauerin Lisa Bethke ein Jahr lang als Freiwillige in Paraguay.

„Irgendwann zieht es jeden hinaus in die weite Welt. Die meisten entscheiden sich nach dem Schulabschluss, aus ihrem gewohnten Umfeld auszubrechen und neue Seiten der Welt kennenzulernen. Neue Eindrücke, neue Menschen, neue Kulturen und vor allem neue Ansichten – Ansichten, die einen die Welt und das eigene Leben mit neuen Augen sehen lassen“, sagt Lisa. Im Februar 2014 ließ sie Familie, Freunde und das gewohnte Leben für ein Jahr hinter sich und ging nach Paraguay, nachdem sie sich im Internet mit Hilfe von www.volunation.com über die Möglichkeiten weltweiten Engagements informiert hatte. Über die Organisation „AFS – Interkulturelle Begegnungen“ fand sie ihr Wunschprojekt an einer Schule für Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen.

Paraguay, übersetzt „Wasser, das zum Wasser geht“, ist ein Schwellenland im Herzen Südamerikas, das flächenmäßig größer als Deutschland ist, jedoch nur sechs Millionen Einwohner hat. Ohne Vorurteile wollte sie sich auf den Weg machen und dieses Land selbst kennenlernen und entdecken.

 

 

Arbeit als Assistentin und Lehrerin

Ihre Aufgabe beschränkte sich anfangs nur auf Hilfs- und Bastelarbeiten sowie Assistenztätigkeiten für die Kinder, jedoch vor allem für die Lehrer. „Da mich diese Aufgabe auf Dauer nicht zufrieden gestellt hätte, habe ich mir selbst einige Aufgaben gesucht und Projekte geplant, die ich mit den Kindern durchführen möchte“, berichtet sie. Diese Projekte enthalten Themen wie Kunst, Musik, die fünf Sinne oder die verschiedenen Kulturen dieser Welt. Sie ließ sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen, Geduld, sagt sie, ist in Paraguay ein wichtiger Begleiter. „Ich war sehr gespannt darauf, was mich erwarten würde und wie sich meine Sprachbarrieren auf die Arbeit mit den Kindern und meinen zukünftigen Kollegen auswirken würde. Die ersten Wochen waren wirklich anstrengend und eine Zerreißprobe für mich. Mittlerweile jedoch unterrichte ich ab und an allein und Sprachschwierigkeiten treten nur noch selten auf, was ich auch meinen Kollegen zu verdanken habe“, freut sie sich.

Lisas Schule ist staatlich, was in Paraguay bedeutet, dass nur wenige Materialien für den Unterricht zur Verfügung stehen. Da der Staat kaum Geld in die Bildung investiert, müssen Eltern und Lehrer in ihre eigenen Taschen greifen und man ist auf Spenden angewiesen. Mit ihren Kollegen kommt sie gut zurecht. „Sie erklärten mir viele Dinge über die Kultur der Paraguayos und Besonderheiten der Sprache. Nicht nur der Umgang mit mir, sondern auch der Respekt, das Verständnis und die Art und Weise, wie der Alltag mit den Kindern gestaltet wird, ist lobenswert.“

Für die Gastfamilie ist sie wie eine Tochter

Von ihrer Gastfamilie wurde Lisa herzlich aufgenommen. „Ich kam in eine wunderbare Familie, die sich sehr viel Zeit für mich nahm und geduldig meine Sprachbarrieren bekämpfte. Es war eine sehr intensive und für alle Seiten anstrengende Zeit, aber wir haben es gemeistert.“ Spannend sind die kulturellen Unterschiede, die sie in Paraguay kennenlernt. Kinder paraguayischer Familien leben meist bis zu ihrer Hochzeit im Haus der Eltern. „Alles steht und fällt mit den Entscheidungen der Eltern, die unter anderem auch vom starken christlichen Glauben beeinflusst werden.“ Mit der Eingliederung in den Familienalltag gab sie ihre gewohnte Unabhängigkeit auf.

Zahlreiche kulturelle Unterschiede

Lisa hat schon viele positive Eigenschaften Paraguays kennengelernt. „Beispielsweise arbeiten an den Supermarktkassen oft Menschen, die nur drei Finger an einer Hand haben, die kleinwüchsig sind oder an anderen Einschränkungen leiden. Sie werden gleichberechtigt behandelt. Schade, dass man in Deutschland in vielen Unternehmen auf so wenig Vielfalt trifft.“

Überhaupt wird in Paraguay viel gearbeitet, es gibt keinerlei finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates in Krankheitsfällen oder bei Arbeitslosigkeit. „Solange man fähig ist zu arbeiten, muss man das tun“, sagt sie. Hierbei ist es nicht wichtig, wie man aussieht oder wo man herkommt – die Hauptsache ist, dass man seine Arbeit gründlich erledigt.

Weitere positive Eigenschaften sind Großzügigkeit und Nächstenliebe. Besonders für die Straßenkinder werden zahlreiche Spendenaktionen und Initiativen ins Leben gerufen, die von vielen Menschen unterstützt werden. Auch sie selbst profitiert von dieser Hilfsbereitschaft: Eine Familie nimmt sie für ein Jahr auf, ohne eine finanzielle Aufwandsentschädigung dafür zu erhalten. „Sie teilen ihr Haus und ihre Lebensmittel mit mir, geben mir einen Platz zum Schlafen und nehmen mich als Tochter auf. Es ist eine wertvolle Erfahrung, in einer Familie zu leben, die das wenige, was sie haben, mit mir teilt. Gleichzeitig wird mir bewusst, was das Leben in Deutschland bietet und was man oft viel zu wenig zu schätzen weiß.“

Lisa ist allen dankbar, die ihr die Möglichkeit eröffnet haben, diese Erfahrungen zu sammeln und  legt jedem ans Herz, den Schritt ins Unbekannte zu wagen. „Es ist eine Erfahrung fürs Leben, die mich stärkt, nachdenken lässt, meinen Blick erweitert und mich aufmerksamer, einfühlsamer und achtsamer leben lässt. Sicher ist es schwer und es löst auch Unsicherheiten aus, trotzdem war es für mich das Beste, was ich machen konnte. Ich lerne interessante Menschen, Mentalitäten, Rituale, Kulturen und mich selbst kennen.“

Über VoluNation

VoluNation ist Spezialist für weltweite Freiwilligenarbeit. Neben einem umfassenden Beratungsangebot bietet VoluNation kurzfristig buchbare Freiwilligenprojekte in mehreren Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas an. Weitere Informationen sind im Internet unter www.VoluNation.com erhältlich.