Hospizverein:

Selbstbestimmt am Lebensende

In seinem 3. Öffentlichen Regionaltreffen reagiert der Uckermärkische Hospizverein auf die aktuelle, bundesweit heftig geführte Diskussion zur aktiven Sterbehilfe.Der Hospizverein möchte den Interessierten mit Informationen Einblick in diese vielschichtige Thematik geben, in deren Zentrum die Frage steht: Wie will ich sterben?

 Ulrike Brinkoch (links), Koordinatorin, und Ulrike Schultz, ehrenamtliche Mitarbeiterin.
Ulrike Brinkoch  Ulrike Brinkoch (links), Koordinatorin, und Ulrike Schultz, ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Alle Interessierten lädt der Hospizverein herzlich zur Veranstaltung am 11. März um 18 Uhr, in seine Geschäftsstelle in die Neubrandenburger Straße 11 in Prenzlau ein. Im Rahmen der 7. Brandenburgischen Hospizwoche wird diese Veranstaltung mit Dr. Michael de Ridder am 24. Juni auch in Templin stattfinden.

Mittlerweile spricht sich ein großer Teil der Bundesbürger für die Möglichkeit aus,
aktive Sterbehilfe für sich in Anspruch nehmen zu können. Auf der Gesetzgebungsebene wird derzeit über die organisierte, gewerbliche Beihilfe zum Suizid und den ärztlich assistierten Suizid diskutiert. Diese Begriffe sind von der aktiven Sterbehilfe und vom „Tod auf Verlangen“ abzugrenzen. In der Ärzteschaft und in der Palliativmedizin wird der im August 2014 vorgelegte Gesetzentwurf, der Medizinern die Hilfe beim Suizid ausdrücklich erlauben soll, konträr diskutiert. Eine ganz andere Position beziehen der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband und
die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Der Vorsitzende des Verbandes, Prof. Winfried Hardinghaus, unterstreicht, dass sich die politischen Anstrengungen auf den Ausbau der Sorgestruktur in der Hospiz- und Palliativversorgung konzentrieren sollten und nicht auf die Legalisierung der ärztlichen Beihilfe zum Suizid. Er befürchtet einen erhöhten Druck auf kranke und alte Menschen, anderen nicht zur Last fallen zu wollen und eine Entwicklung, die in einer solidarischen Gesellschaft nicht gewollt sein kann.

Doch wer ist noch in der Lage, den verschiedenen Begrifflichkeiten in ihrer ganzen Tragweite zu folgen? Welche zukünftigen Lebenssituationen und Möglichkeiten in der Versorgung schwerstkranker, sterbender Menschen stehen hinter diesen Begriffen? Wie muss sich jeder Einzelne eine derartige Regelung vorstellen, für wen gilt sie, ab wann und was wird dann getan?
Hospiz – und Palliativmitarbeitende verfolgen die Diskussion mit Schrecken, wird sie doch vor dem Hintergrund geführt, dass den meisten Menschen die bereits bestehende hospizliche und palliativmedizinische Versorgungsstruktur nicht bekannt ist.

Der Hospizverein konnte Dr. Michael de Ridder für einen Vortrag gewinnen, um eine Annäherung an die aktuellen Fragen zu versuchen, aber auch die Frage zu beantworten, was bereits heute die hospizliche und palliativmedizinische Versorgungsstruktur leisten kann.
Er ist Arzt für Innere Medizin und Palliativmediziner, leitete viele Jahre die Rettungsstelle des Vivantes-Klinikum Am Urban in Berlin-Kreuzberg, später das Vivantes Hospiz Berlin. In seinem 2010 veröffentlichten Buch "Wie wollen wir sterben? Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin" schildert er anschaulich und an Beispielen seine vielfältigen Erfahrungen mit der Medizin am Lebensende.
Dr. Michael de Ridder wird nach seinem Vortrag für die Fragen und das Gespräch mit dem Publikum zur Verfügung stehen.

Erwünscht ist eine Voranmeldung bis zum 5.März (Tel. 03984 48 212 16).
Die Veranstaltung ist kostenfrei. Es wird um eine Spende gebeten.

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Kommentare (3)

Sorgende Palliativmedizin wird oft der kaltblütigen Tötung von Kranken gegenübergestellt. Aber so gegensätzlich sind diese beiden Positionen in der Praxis gar nicht. In England wird die Palliativmedizin inzwischen „Road to death“ genannt. Bei älteren Menschen, die wegen Bagatellverletzungen(!) in die Klinik kommen, sagen die Ärzte: Sie sind alt, Sie sollten sterben. Kritiker nennen die Palliativeinrichtungen "Road to death" und erheben den Vorwurf, dass Tausende von älteren Patienten gegen ihren Willen getötet wurden (im Internet: Liverpool Care Pathway: "They told my family I was dying"). "In den Niederlanden stieg die Zahl der Todesfälle im Zuge der Schmerz- und Symptombekämpfung auf 50.000. Die Zahlen legen den Verdacht nahe, dass Tötungen in großem Umfang durchgeführt werden unter dem Deckmantel "Palliativmedizin" (Dt. Ärzteblatt, 11.7.2012 u. 25.3.2011). Es ist ratsam bezüglich jeder sonstigen Klinik und es gilt auch für jede palliativmedizinische Einrichtung: Niemand sollte sich da hineinbegeben ohne Beistand, den er mitbringt und den er mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet hat (Beistandsvollmacht – Beistand im Krankheitswesen, s. im Internet). Denn Vertrauen wäre fahrlässig, Kontrolle ist besser und unabdingbar. Ein Beispiel zur Tätigkeit eines Beistands: Diapathik einer Auferstehung – siehe hier: http://www.spkpfh.de/Diapathik_einer_Auferstehung_Kollektive_Aktion.htm

Der Gesetzesentwurf zum Selbst-Mord, dem die größten Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit eingeräumt werden, legt das Töten ganz in die Hände der Ärzte. Das BTM-Gesetz solle gelockert werden, damit die Ärzte Morphium großzügig anwenden können. Wer getötet werden will, soll sich künftig also an seinen Arzt wenden. Kontrolle? Ist nicht vorgesehen. Selbst in Holland, wo das fließbandmäßige Töten im Lauf der Jahre immer rasanter geworden ist (siehe Gerbert van Loenens Buch), gibt es Kontrollinstanzen. Dass sie nichts taugen, auch gar nicht kontrollieren sollen, steht auf einem anderen Blatt. Aber die holländischen Parlamentarier haben zumindest gemeint, auf dieses Feigenblatt einer öffentlichen Kontrolle nicht verzichten zu können. Bei uns hier nicht einmal das. Es gibt also, in Bezug auf das fundamentale Problem von Leben und Sterben, im Kern der Gesellschaft eine Black Box. Man kann auf den Mond fliegen und schauen, wie es dort aussieht. Aber dieses weißbekittelte Herz der Finsternis ist jedem Zugriff, jedem kontrollierenden Blick von außen entzogen. Eine Black Box, zu der nur der Arzt Zutritt hat und der Tötungskandidat. Der allerdings kommt nur rein und nicht wieder heraus. Jedenfalls nicht lebend. Niemand wird im Nachhinein irgendetwas überprüfen können. Ist es gänzlich undenkbar, dass Ärzte, beispielsweise um eigene Therapiefehler zu vertuschen, den Patienten, dessen Leben sie ruiniert haben, zum Selbst-Mord drängen?

Der Berliner Sterbearzt Dr. de Ridder, urärztlicher Prediger des schönen Todes, will in Prenzlau auftreten. Dies ist schon einmal schiefgegangen, denn die Leute lassen sich das Märchen von der "guten Palliativmedizin" nicht mehr andrehen (siehe z.B. http://www.scribd.com/doc/185772791/NEIN-zur-EuthaNAZI-Propagandaveranstaltung). "Sterben in Würde" / "lindernde Pflege" – hier wie dort hat immer ein Arzt das letzte Wort. Hier wie dort verschanzt sich die Ärzteklasse hinter Blendwerken wie "Selbstbestimmung", "Autonomie" etc., die in Wirklichkeit nichts anderes sind als der gegen Alte, Kranke, Schwache ausgeübte Zwang, in der Alltagswelt des Kapitalismus funktionieren zu müssen. Aber die an KRANKHEIT interessierte Öffentlichkeit, d.h. alle diejenigen, die das Verwurstetwerden durch die Ärzte satt haben und aus Selbstschutz und Protest ihre Körper der Medizin- und Pflegeindustrie entziehen, orientieren sich schon lange am Wirkwissen und den Pathopraktiken der Patientenfront, siehe z.B. hier: http://spkpfh.de/index_Krankheit_im_Recht.html