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Alle zwei Minuten kracht es zwischen Tier und Auto

Die Zahl der Wildunfälle ist im Nordosten gestiegen. Ein Grund ist, dass immer mehr Autos unterwegs sind. Aber nicht nur das.

Ein Reh liegt tot am Straßenrand in Brandenburg.
Patrick Pleul Ein Reh liegt tot am Straßenrand in Brandenburg.

Alle zwei Minuten stößt in Deutschland ein großes Wildtier mit einem Auto zusammen. Unterm Strich sind das etwa 263 000 Wildunfälle im Jahr und ein Schaden von 653 Millionen Euro. Dies geht aus der aktuellen Schadensbilanz des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Und das scheint noch nicht das Ende der Fahnenstange zu sein.

Sowohl GDV als auch der Deutsche Jagdverband (DJV) haben einen Anstieg bei Unfällen mit Wildtieren in den letzten Jahren festgestellt. Die Versicherungswirtschaft spricht von über zehn Prozent im Vergleich zu 2014.

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind Wildschwein-Hochburgen

„Eine Ursache für den Anstieg von Wildunfällen ist sicherlich eine Zunahme des Straßenverkehrs. Aber auch die Zerschneidung der Lebensräume durch den Bau neuer Straßen spielt da mit rein”, sagt Udo Appenzeller vom Landesjagdverband Brandenburg. Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband sah noch einen weiteren Grund: „In der Region gibt es immer mehr Wildschweine. Die moderne Landwirtschaft und die milden Winter der vergangenen Jahre haben hier ihren Anteil dran”. Dem Verbandssprecher zufolge kämen mehr Jungtiere durch die Wintermonate. Außerdem seien mehr Eicheln als Nahrung vorhanden.

Da der Nordosten viel Waldfläche zu bieten hat und landwirtschaftlich geprägt ist, zählt er zu den traditionellen Siedlungsgebieten für Wildschweine. Der Jagdverband geht von ungefähr 58 000 aus, die in Mecklenburg-Vorpommern leben und schätzt die Zahl für Brandenburg auf 60 000 bis 70 000. Nach Ansicht des Verbandssprechers leben Wildschweine in diesen Regionen wie im Schlaraffenland. Besonders Mais wirke wie ein Magnet auf die Allesfresser.

In Mecklenburg-Vorpommern zählte der Jagdverband insgesamt 7120 Wildunfälle für die Jagdsaison 2014/2015. Aktuellere Zahlen gibt es noch nicht. Die Erhebung für 2012/2013 ergab noch einen Wert von 6410. Brandenburg scheint hier ein Sonderfall zu sein. Laut DJV gab es 4730 Unfälle in der Saison 2014/2015, zuvor lag die Zahl bei 9740. Für Sprecher Torsten Reinwald ist „die Dunkelziffer allerdings weitaus höher”. So fließen etwa kleinere Tiere wie Fuchs und Hase nach Aussage des Jagdverbandes nicht in die Statistik ein.

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