Erste Hilfe:

Diese Dinge dürfen nicht mehr im Verbandskasten fehlen

Seit Anfang dieses Jahres gibt es einige neue Regelungen für Autofahrer. Eine davon betrifft den Erste-Hilfe-Kasten, der in jedem Pkw mitgeführt werden sollte. Er muss der Din-Norm 13164 entsprechen. Was das für Autofahrer bedeutet.

Der Verbandskasten muss neuerdings Feuchttücher, ein 14-teiliges Pflasterset und Verbandspäckchen in Kindergröße enthalten. Fehlen diese Materialien bei einer Kontrolle, kann ein Verwarngeld drohen.
Udo Roll Der Verbandskasten muss neuerdings Feuchttücher, ein 14-teiliges Pflasterset und Verbandspäckchen in Kindergröße enthalten. Fehlen diese Materialien bei einer Kontrolle, kann ein Verwarngeld drohen.

Eingeklemmt zwischen Getränken und Einkaufstüten liegt er im Kofferraum. Dort bleibt er meist jahrelang unberührt. Der Verbandskasten ist unverzichtbar, und oft vernachlässigt. Trotzdem lohnt sich für Autofahrer ein Blick ins Heck des Autos. Denn seit Anfang des Jahres gilt eine neue Norm für Erste-Hilfe-Kästen: Din-Norm 13164.

Das muss drin sein

Hinter der Zahlenkombination stecken neben Altbewährtem drei neue Pflicht-Komponenten. Dazu zählen ein 14-teiliges Pflasterset, Reinigungstücher für unverletzte Hautpartien und Verbandspäckchen in Kindergröße. Das Pflasterset umfasst gebrauchsfertige, zugeschnittene Pflasterstreifen, Fingerstrips und Fingerkuppenverbände. Dafür fallen ein Verbandpäckchen M, ein Verbandtuch BR und Wundschnellverbände weg. Zudem enthalten neue Verbandskästen statt Mullbinden sogenannte Fixierbinden.

Der aktualisierte Inhalt entspricht laut Manfred Beeres zu den neusten medizinischen Erkenntnissen. Die Anforderungen für die Erste Hilfe haben sich in den vergangenen Jahren verändert, sagt der Sprecher des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed). Alte Verbandskästen beinhalten Pflasterrollen. Ein Pflaster musste sich der Ersthelfer zunächst zurechtschneiden. Jetzt würden halb vorgefertigte Pflaster die Arbeit für Laienhelfer erleichtern. Zudem entsprechen die Materialien im neuen Verbandskasten besseren Hygiene-Anforderungen, erläutert Beeres.

Doch obwohl laut aktueller Straßenverkehrsordnung die Din-Norm 13164 zählt, muss der alte Verbandskasten nicht gleich weggeschmissen werden.

Bei unvollständigem Material droht Verwarngeld

„Es gilt auch weiterhin die alte Norm“, sagt Manfred Beeres. Voraussetzung sei, dass die Materialien steril sind, fügt der BVMed-Experte hinzu. Das heißt: Wer noch einen älteren Erste-Hilfe-Kasten besitzt, kann ihn solange problemlos im Kofferraum behalten, bis das Verfallsdatum abgelaufen ist. Autofahrer mit einem Verbandskasten nach alter Norm sind laut Katharina Luca aber verpflichtet, ihr Erste-Hilfe-Köfferchen nachzufüllen. „Erst dann darf er weiterhin verwendet werden“, sagt die Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC). Dem ADAC zufolge droht Pkw-Fahrern, die keinen Verbandskasten mitführen sowie abgelaufenes oder unvollständiges Erste-Hilfe-Material im Kofferraum haben, ein Verwarnungsgeld. Das kann fünf bis zehn Euro betragen, sagt Luca.

Einen fehlenden oder ein unvollständiger Verbandskasten bei der Hauptuntersuchung werten Tüv-Experten als geringen Mangel. Ein Nachteil entstehe dem Pkw-Besitzer dadurch jedoch nicht. Die Tüv-Plakette sei nicht in Gefahr, sagt Bärbel Oberdorf vom Tüv-Nord. Schließlich könne in so einem Fall unverzüglich ein Erste-Hilfe-Kasten nachgekauft werden. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Neubrandenburg komme es bei Verkehrskontrollen immer wieder vor, dass ein Erste-Hilfe-Kasten unvollständig oder nicht vorhanden sei. Eine Statistik darüber führe die Polizei aber nicht, sagt Polizeisprecher Andreas Scholz.

Wohin mit abgelaufenen Erste-Hilfe-Kästen?

Oft verhängen seine Kollegen nicht gleich ein Verwarnungsgeld. Die Polizei weise in vielen Fällen erst auf fehlende Erste-Hilfe-Materialien hin und gebe Autofahrern eine Chance den Mangel auszuräumen, sagt Scholz. Um Ärger von vornherein aus dem Weg zu gehen, empfiehlt er jedes Jahr einmal einen Blick in den Verbandskasten zu werfen.

Zwar sei laut Christine Grun Verbandsmaterial je nach Qualität bis zu 20 Jahren haltbar. Aber wenn das Material länger als fünf Jahre im Kofferraum liegt, gebe es oft keine Garantie dafür, dass es noch steril sei, sagt die Beauftragte für Erste-Hilfe-Ausbildung des DRK Neubrandenburg. Deshalb sollte Verbandsmaterial möglichst kühl und trocken gelagert werden. So könne Verbandsmaterial länger steril bleiben. Nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums sollte es aber nicht mehr genutzt werden, sagt Grun. Dann sei es besser, alte Verbandskästen zur DRK zu bringen. „Die können wir als Übungsmaterial gut gebrauchen.“

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