Erste Hilfe:

Frisches Wissen für Sicherheit

2012 starben 3 606 Menschen auf deutschen Straßen. Zehn Prozent von ihnen könnten noch leben, wenn jemand Erste Hilfe geleistet hätte. Das ist aber nur selten der Fall. Überforderung nennen viele Unfallzeugen als Grund für ihre falsche Zurückhaltung. Dagegen hilft nur eines: Wissen.

Was für Profis wie Feuerwehrleute festgeschrieben ist, sollte auch für Otto Normalverbraucher gelten: Experten raten deshalb allen Autofahrern ihr Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig aufzufrischen. Foto: Peter Steffen
Peter Steffen Was für Profis wie Feuerwehrleute festgeschrieben ist, sollte auch für Otto Normalverbraucher gelten: Experten raten deshalb allen Autofahrern ihr Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig aufzufrischen. Foto: Peter Steffen

 „Der einzige Fehler, den man machen kann, ist bei Unfällen nicht zu helfen“, ist Matthias Schubert überzeugt. Der Lehrbeauftragte des DRK-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern weiß, wie wichtig Erste Hilfeleistungen im Notfall sind. „Stellen Sie sich vor, da liegt ein Familienvater, der auf dem Weg von der Arbeit nach Hause verunglückt ist und der nur überlebt, wenn Sie helfen“, malt er aus. Die häufigste Ursache, weshalb Menschen an einem Verletzten vorbei fahren, sei Angst. Persönliche Angst um das eigene Wohlergehen. Juristische Angst, einen folgenschweren Fehler zu machen, durch den der Verletzte geschädigt wird.

„Diese Befürchtungen sind nichts, im Vergleich zur Situation der Verletzten und auch aus rechtlicher Sicht sind sie unbegründet“, erklärt der Schweriner, der seit mehr als 20 Jahren Führerscheinanwärtern Erste Hilfe beibringt. Juristisch sei man auf der sicheren Seite, da die Notlage der Unfallbeteiligten bereits verursacht sei. Strafbar mache man sich eher, wenn man an einem Unfall vorbeifährt.

Die Lehrmethoden haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, auch die Inhalte. „Wer aber vor dreißig Jahren einen Kurs gemacht hat, der kann im Notfall auf dieses Grundlagenwissen vertrauen“, erklärt Schubert. Davon ungeachtet rät der Experte zu Auffrischungskursen, die man alle fünf Jahre machen sollte. In wenigen Stunden könnten Autofahrer dort Erste Hilfe „neu“ lernen. Das bringe ihnen nicht nur im Straßenverkehr Sicherheit.

Die Grundregeln für Erste Hilfe am Unfallort lassen sich leicht zusammenfassen: Fahren Sie langsam am Unfallort und parken Sie das Auto in sicherem Abstand. Erst Unfallstelle absichern, Überblick verschaffen dann alarmieren Sie per 112 die Rettungskräfte. „Sollten Sie zu ängstlich sein, in der Nacht am Straßenrand allein auszusteigen, versuchen Sie andere Verkehrsteilnehmer zum Anhalten zu bewegen. Dann können Sie ruhiger helfen“, erklärt Schubert, der diese Ängste gerade von Frauen kennt. Die sogenannten Ersthelfer sollten ein Warndreieck einhundert Meter (Landstraße) oder zweihundert Meter (Autobahn) entfernt aufstellen, um Folgeunfälle zu vermeiden. Bei Bewusstlosen erst die Atmung überprüfen und im Notfall die Herz-Druck-Massage und die Beatmung beginnen. 30-mal Drücken, zweimal Beatmen! Stark blutende Wunden sollten schnell versorgt werden. „Nutzen Sie dabei Einmalhandschuhe“, merkte der DRK-Ausbilder an. Eine Grundregel der Fachleute sei es zudem, auf die Wünsche der Verletzten einzugehen. Wenn ein Motorradfahrer seinen Helm aufbehalten will, soll er. Bei bewusstlosen Motorradfahrern wird der Helm abgenommen!

Und auch das Trösten von Beteiligten gehöre zur Ersten Hilfe. Jeder, dem selbst einmal geholfen wurde, weiß, wie wertvoll, wie unbezahlbar diese Worte und Gesten sein können.

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